Seite:Bartolomé de Las Casas-Die Verheerung Westindiens 1790.pdf/140

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Unschuldigen in ihren Häusern überfallen und entführen. Fällt nun das Loos etwa auf einen Haufen, worunter sich ein Greis oder ein Kranker befindet, so pflegt wohl der Tyrann, dem er zu Theil wird, zu sagen: zum Teufel mit dem alten Kerl! Warum gebt ihr mir ihn? Soll ich vielleicht für sein Begräbniß sorgen? Und was mache ich mit dem Kranken da? Soll ich ihn behalten und curiren lassen? – Da sieht man, wie die Indianer von den Spaniern geachtet werden; wie diese das göttliche Gebot der Nächstenliebe befolgen, an welchem doch das ganze Gesetz nebst den Propheten hängt.

Die Tyrannei, welche die Spanier beim Perlenfang oder bei der Perlenfischerei gegen die Indianer verüben, ist eine der grausamsten und verdammenswürdigsten Erfindungen von der Welt. In dieser Zeitlichkeit giebt es gewiß keine qualvolle Höllenarbeit, die mit dieser zu vergleichen wäre; obgleich das Goldgraben in den Bergwerken ebenfalls in seiner Art sehr mühsam, und mit unbeschreiblichen Beschwerlichkeiten verbunden ist. Man senkt sie nemlich drei, vier, auch wohl fünf Klaftern tief ins Meer, und zwar von Sonnenaufgang bis zu Sonnenuntergang.

Empfohlene Zitierweise:
Bartolomé de Las Casas: Die Verheerung Westindiens. Christian Friedrich Himburg, Berlin 1790, Seite 140. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bartolom%C3%A9_de_Las_Casas-Die_Verheerung_Westindiens_1790.pdf/140&oldid=- (Version vom 31.7.2018)