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900 Hofstetten Landes. L. war ein großer Jäger. Täglich ging er mit der Flinte in der Hand und in Begleitung seines treuen Lord in die nahen Wälder, um irgend ein Wild zu erspähen. Sein Zimmer war mit allerhand Jagdgerätschaften und -emblemen ausgestattet; leere Patronen lagen auf Tisch- und Fensterbrett umher. — Nach dem Mittagessen begaben wir uns aus kleinen Seitenwegen und Waldespfaden durch dichten Tannen- und Laubwald, über morastige Wiesen und durch lieblich wogende Saaten weiter. Auf einer 8 Werst weiten Strecke trafen wir nur zwei Gesinde an: das Greten- und das Kickulgehöft, auf lettisch Grietas- im Kickull-mahjas. (Mahjas, wörtlich übersetzt „Häuser", bedeutet „Gesinde“ oder „Bauernhof“.) Diese Gegend soll als Aufenthaltsort so manchen Pferdediebes bekannt sein, und ein Gehöft in der Nähe sogar in dieser Hinsicht für berüchtigt gelten. L. erzählte, daß vor einiger Zeit allen Gutsherren und Gesindewirten im geheimen ein Verzeichnis der Leute, die in Kurland Pferdediebstahl getrieben oder dieses Handwerks verdächtig wären, zugeschickt worden sei. Auch sein Bruder, der Besitzer von Livenhof, habe eins erhalten. Wie groß sei ihr Erstaunen gewesen, als sie ihren Kutscher und Stallbediensteten dort verzeichnet fanden. Er sei natürlich sofort entlassen worden. — Gegen Abend erreichten wir das Ziel unserer Wanderung, einen Komplex von neun Gehöften, die in einer grünen Ebene auf einer Anschwellung des fruchtbaren Bodens lagen und zusammen den Namen Schkuten, lett. Schtjuhti, führten. Hier trafen wir Landsleute. Es war die Heimat des trefflichen lettischen Philologen K. M.[WS 1] Auch andere Gäste waren

anläßlich des bevorstehenden Johannisfestes erschienen, so daß wir eine große Gesellschaft vorfanden. Es war Johanniabend. Unterwegs hatten in der Ferne hier und da die Landleute „gelihgot“, was sich eigentümlich, wie Klänge aus der vergangenen heidnischen Zeit unserer Heimat, angehört

Anmerkungen (Wikisource)

Empfohlene Zitierweise:
Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/19&oldid=- (Version vom 9.3.2019)