Seite:BaumannImGottesländchen.pdf/49

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zu klingen. Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, als sich die Burg aus der Tiefe erhob und Menschen und Tiere Leben erhielten. Der Knabe selbst aber wurde in einen Stein verwandelt. Lange noch wurde dieser aus dem Puischuberge bewahrt, und die Leute opferten dort im Sommer und Winter.“[1] So erzählt der Volksmund. Die Geschichte dagegen berichtet uns über den Ursprung des Schlosses anders. „Als die heid­nischen Kuren durch den semgallischen Bischof[2] Balduin von Alna 1230 die Taufe empfangen, und ihnen Freiheit der Person und ungestörter Besitz ihres Landes zugesichert worden[WS 1] war, fielen sie gar bald von dem Christentum, dessen innere Wahrheit sie noch nicht erkannt hatten, in das alte Heidentum zurück. Die Strafe für diesen Abfall folgte in dem eisernen Joche der Knechtschaft, das ihnen der Ordensmeister Diedrich von Grüningen auferlegte, welcher viele Burgen und nach Arndts Chronik 1249 auch das heutige Schloß Dondangen erbaute und daselbst eine starke Besatzung zurückließ." (Album kurl. Ansichten.) Seit 1252 gehörte Dondangen zum Stifte Pilten (dem Bischof von Kurland). Vom Anfange des 17. Jahr­hunderts bis 1711 war das Gut im Besitze der Familie Maydel, und seitdem gehört es den Osten-Sackens, die im 18. Jahrhundert in Europa als Diplomaten und Staats­männer eine hervorragende Stellung eingenommen haben, wo­von auch die Denkmäler in der Dondangenschen Kirche Zeug­nis ablegen.

Das Schloß lag am schon erwähnten Teiche, längs

dessen Ufer sich eine alte Ahorn- und Silberweidenallee

  1. Siehe: Bienemann, Livländisches Sagenbuch. 1897, No. 177 I, wo sich eine Übersetzung der Sage nach der großen lettischen Märchen- und Sagensammlung von Lerch-Puschkaitis findet. Wir haben sie verkürzt wiedergegeben.
  2. Richtiger „durch den päpstlichen Legaten“; vgl. Arbusow, Grundriß der Geschichte Liv-, Est- u. Kurlands, 1890. S. 26.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: wordeu
Empfohlene Zitierweise:
Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/49&oldid=- (Version vom 15.3.2019)