Seite:BaumannImGottesländchen.pdf/50

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hinzog, während die Wellen des Teiches im Uferschilfe und Gebüsche zerrannen. Über eine Brücke, die über den Schloßgraben führte, gelangte man zu dem in viereckiger Form angelegten, weißgetünchten Gebäude mit einem hübschen Erker (Vorbau) an der einen Seite. Früher hat das Schloß auch eine Hauskapelle enthalten, die aber seit dem letzten Brande des Schlosses nicht wieder hergestellt worden ist. Das Gebäude hat öfters durch Feuer gelitten. Daher erscheint es, wie mit einem Verhängnis belastet. Dieser Umstand wird auch mit der Sage von der grünen Jungfrau in Verbindung gebracht. Sie ist etwas in der Art eines Schloßgeistes oder einer Fee, die hier ungesehen ihr Wesen treibe und nur dann und wann den Menschen erscheine. So z. B. soll sie dem Besitzer die Geburt seines ältesten Sohnes melden, außerdem erscheinen, wenn dem Schlosse und seinen Bewohnern Gefahr droht. Auch vor dem letzten Brande habe sie sich auf den Schloßmauern ge­zeigt. Bei diesem Brande sei die ganze innere Einrichtung des Schlosses vernichtet worden. Jetzt hat es daher an mehre­ ren Stellen dicke Schutz- oder Brandmauern erhalten. Auf der Rückseite des Schloßgebäudes sahen wir ein Paar Steine aus der Mauer ragen. Von ihnen erzählt die Sage, daß auf dem einen während des Baues des Schlosses der Architekt, ein Ausländer, seine Schnupftabaksdose gehalten habe (?); auf dem anderen dagegen habe einst eine Birke gestanden, in betreff deren dem ersten Schloßherrn, einem Herrn von Maydel geweissagt worden sei, daß er nicht eher einen Leibeserben er­halten werde, als bis man für diesen aus den Zweigen der Birke eine Wiege anfertigen könne[1]. Tatsächlich hat nach dem

Album kurl. Ansichten seit dem Anfange des 17. Jahrhun­derts nie ein direkter Erbe der Familien Maydel und Osten-Sacken

  1. Vgl. dazu die Sage von der grünen Jungfrau bei Bienemann
Empfohlene Zitierweise:
Edgar Baumann: Im Gottesländchen. In Kommission bei Kluge und Ströhm [et al.], Reval [et al.] 1904, Seite 42. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:BaumannImGottesl%C3%A4ndchen.pdf/50&oldid=- (Version vom 2.2.2019)