Seite:Bemerkungen zu Gregor von Tours kleineren Schriften.pdf/16

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Unerheblich und aus der Bibel entlehnt scheinen die Wunder von den Fischen, die sich fangen lassen, wenn ein Heiliger ihrer bedarf (Patrum XI 2, XVII 4, Conf. 5).

Die Grundlage aller dieser Tiersagen ist der Glaube, daß Seelen von Menschen und Dämonen in Tiere übergehen. Dafür finden sich in den französischen Sagensammlungen viele Belege. L’alouette, qui s’élève en chantant vers le zénith, est souvent une âme qui se rend en paradis… La même chose se raconte en Bretagne, au dire de M. de Villemarqué, et, selon cet auteur, ce serait là un des vestiges des vieilles croyances druidiques, d’après lesquelles l’âme revêtait souvent la forme poétique d’un oiseau (Laisnel de la Salle I 224). Im Bugey (Dép. de l’Ain) sah ein Gärtner die Seele seines Herrn als Schmetterling im Treibhause. Er verschwand auf die Frage „Ame de mon maître, est-ce vous ? Requiescas in pace (Monnier 143). D’autres (esprits) apparaissent sous des formes hideuses, d’hommes ou d’animaux, pour inspirer encore une plus grande crainte (De Nore 258). Werwölfe waren in der Normandie, (De Nore 265) in der Montagne noire (Pyrenäen), in Béarn (De Nore 99, 127) noch sehr verbreitet. Les gens de la campagne sont persuadés qu’ils ont rencontré plusieurs fois, dans la nuit, des béliers noirs qui vomissent des flammes, des chats noirs dont les yeux étincellent, des lapins blancs suspects, des taureaux rouges à cornes épouvantables, et des chiens noirs immobiles dans les lieux où il y a des trésors (De Nore 269. Normandie). Deutlicher noch als diese letztere Stelle sprechen die Beispiele aus dem deutschen Süden, vgl. v. Alpenburg c. X S. 210–219. Die Legende, daß Tiere den Leichnam eines Heiligen an eine bestimmte Stelle bringen, findet sich besonders in Deutschland noch oft. So brachten weiße Ochsen den Leichnam der Notburga in Tirol gerade dahin, wo sich ihr Tempel erheben sollte (Payer II 48).

Gegen Viehseuche holte jemand Öl aus den Lampen, die in der Basilika St. Martin brannten… deportatumque domo pecora intinctum digitum in liquore, per frontes et dorsa cruce dominica signat, ipsisque animalibus ex hoc unguine fide plenus infudit in ore. Mox dicto citius clandestina peste propulsa, pecora liberata sunt (Mart. III 18). Als bei Bordeaux eine Pferdekrankheit herrschte, ging man zur Kapelle des Heiligen in Marsat bei Blaye und betete. Cumque his haec causa commodum exhiberet, addiderunt ut de clave ferrea, quae ostium oratorii recludebat, caracteres caballis imponerent (33). So werden mit den glühend gemachten Hubertusschlüsseln[WS 1] (clefs oder cornets de St.-Hubert, vgl. Gaidoz La rage et St.-Hubert 127 ff.) auch Menschen, besonders aber Tiere gebrannt und dadurch gegen die Wutkrankheit geschützt. Gaidoz führt Stellen an, nach denen derselbe Gebrauch auch im Berry, in der Champagne, in Baiern und Württemberg sich findet. In der Normandie verkauft man kleine Hubertusringe gegen dieselbe Krankheit (De Nore 270). An vielen Orten Frankreichs herrschte nach Thiers, Superstitions I 371, der Gebrauch, das Vieh an den Kirchenthüren mit einem glühenden Eisen zu brennen, welches la clef de St. Pierre genannt wurde.

Dämonen. Kein Element der vorchristlichen Religionen ist so verbreitet gewesen, als der Glaube an böse Geister und Zauberer. Die Dämonen wirken nach Gregors Meinung wohl in der Weise, daß sie sich ganz äußerlich, nicht durch Besitznahme wie bei den Energumeni, an einzelne Menschen, die sich durch Sündhaftigkeit eine solche Strafe zugezogen haben, oder auch an Tiere heften. Ich schließe dies aus der Anschauung, die in dem Leben des h. Martin von Sulpicius Severus durchweg hervortritt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Hubertuschlüsseln