Seite:Bertha von Suttner – Die Waffen nieder! (Band 1).djvu/063

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Libation. So war es auch ein leises Stolzgefühl – ein Bewußtsein, daß es sozusagen eine militärische Würde vorstellt, einen geliebten Mann auf dem Felde der Ehre verloren zu haben, welches mir meinen Schmerz am besten tragen half. Und ich war ja nicht die einzige. Wie Viele, Viele im ganzen Land trauerten jetzt um ihre in italienischer Erde ruhenden Lieben …

Nähere Einzelheiten über Arnos Ende sind mir damals nicht bekannt geworden; man hat ihn tot aufgefunden, agnosziert, begraben, das war alles, was ich wußte. Sein letzter Gedanke war gewiß zu mir und zu unserem kleinen Liebling geflogen, und sein Trost im letzten Augenblick muß das Bewußtsein gewesen sein: Ich habe meine Pflicht – mehr als meine Pflicht gethan.

„Wir sind geschlagen,“ wiederholte mein Vater, düster, indem er sich neben mich auf die Gartenbank setzte.

„Also wurden die Geopferten umsonst geopfert,“ seufzte ich.

„Die Geopferten sind zu beneiden, weil sie von der Schmach nichts wissen, die uns getroffen hat. Aber wir werden uns schon noch aufraffen, wenn auch jetzt – wie es heißt – Friede geschlossen werden soll –“

„Ah, Gott geb’s!“ unterbrach ich. „Für mich Arme freilich zu spät … aber so werden doch tausend andere verschont.“

„Du denkst immer nur an Dich und an die einzelnen Menschen. Aber in dieser Frage handelt es sich um Österreich.“

Empfohlene Zitierweise:
Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. Dresden/Leipzig: E. Pierson’s Verlag, 1899, Band 1, Seite 58. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_1).djvu/063&oldid=- (Version vom 31.7.2018)