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nicht, um ungestört an Tilling denken zu können? … Es scheint doch so – da ich noch um Mitternacht die roten Hefte mit Eintragung der oben angeführten Gespräche bereicherte und Betrachtungen daran knüpfte, wie folgt: „Ein interessanter Mensch, dieser Tilling … Die hohe Frau, die ihn liebt, denkt jetzt wahrscheinlich an ihn … oder vielleicht kniet er in diesem Augenblick zu ihren Füßen und sie ist nicht so allein – allein – wie ich. Ach, jemand so recht innig lieben zu können … es müßte nicht eben Tilling sein – ich kenne ihn ja nicht … Nicht um Tilling beneide ich die Prinzessin, aber um ihr Verliebtsein. Und je leidenschaftlicher, je wärmer sie ihm zugethan ist, desto mehr beneide ich sie.“

Mein erster Gedanke beim Erwachen war wieder – Tilling. Ja richtig: er hatte sich für diesen Tag behufs wichtiger Mitteilungen bei mir angesagt. So gespannt, wie auf diesen Besuch, hatte ich mich schon lange nicht gefühlt.

Um die bestimmte Stunde gab ich Befehl, daß mit Ausnahme des Erwarteten niemand vorgelassen werde. Meine Schwestern waren nicht zu Hause, Tante Marie, die unermüdliche garde-dame, hatte sie auf den Eislaufplatz begleitet.

Ich setzte mich in meinen kleinen Salon – mit einer hübschen Haustoilette von violettem Sammt angethan (violett steht Blondinen bekanntlich vorteilhaft), nahm ein Buch zur Hand und wartete. Lang’ habe ich nicht warten müssen: zehn Minuten nach Zwei trat Freiherr von Tilling bei mir ein.

Empfohlene Zitierweise:
Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. Dresden/Leipzig: E. Pierson’s Verlag, 1899, Band 1, Seite 83. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_1).djvu/088&oldid=- (Version vom 31.7.2018)