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dauern. In hundert Jahren ist’s doch einerlei, ob wir lang oder ob wir kurz gelebt. Auf die Zahl der schönen Tage kommt es schließlich nicht an, sondern auf den Grad ihrer Schönheit. Die Zukunft bringe was sie wolle, mein vielgeliebtes Weib – unsere Gegenwart ist so schön, so schön, daß ich jetzt nichts fühlen mag, als seliges Entzücken.“

Während er so sprach, schlang er seinen Arm um mich und küßte mein an seiner Brust ruhendes Haupt. Da schwand auch mir die drohende Zukunft aus dem Bewußtsein und auch ich versenkte mich in den süßen Frieden des Augenblickes.


* * *


Am 10. Januar kehrten wir nach Olmütz zurück.

Niemand zweifelte mehr an dem Ausbruch des Krieges. In Wien hatte ich noch vereinzelte Stimmen vernommen, welche meinten, daß die dänisch-holsteinische Frage vielleicht doch noch auf diplomatischem Wege beigelegt werden könne; aber in den militärischen Kreisen unserer Festungsbesatzung galt die Friedensmöglichkeit für ausgeschlossen. Unter den Offizieren und ihren Frauen herrschte eine aufgeregte, aber zumeist freudig aufgeregte Stimmung: Gelegenheit zu Auszeichnung und Avancement in Sicht – zur Befriedigung des Thatendurstes des einen, des Ehrgeizes des zweiten, des Gage-Erhöhungsbedürfnisses des dritten.

„Das ist ein famoser Krieg, der sich da vorbereitet,“ sagte der Oberst, bei dem wir nebst mehreren

Empfohlene Zitierweise:
Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. Dresden/Leipzig: E. Pierson’s Verlag, 1899, Band 1, Seite 194. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_1).djvu/199&oldid=- (Version vom 31.7.2018)