Seite:Bertha von Suttner – Die Waffen nieder! (Band 1).djvu/214

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Debatten die Nachricht eintraf, daß der Kongreß unverrichteter Dinge wieder auseinandergehe.

Und zwei Tage später kam für Friedrich – der Marschbefehl!

Zur Vorbereitung und zum Abschied hatte er vierundzwanzig Stunden Zeit. Und ich war auf dem Punkte, niederzukommen. In der toddräuenden, schweren Stunde, wo eines Weibes einziger Trost darin besteht, den geliebten Mann neben sich zu haben, würde ich allein bleiben müssen – allein mit dem über alles bangen Bewußtsein, daß der geliebte Mann in den Krieg gegangen – wissend, daß es ihm ebenso schmerzlich sein mußte, in solcher Stunde seine arme Frau zu verlassen, als es mir schmerzlich sein würde, ihn zu missen …

Es war am Morgen des 20. Juni. Alle Einzelheiten dieses denkwürdigen Tages sind mir eingeprägt geblieben.

Draußen herrschte drückende Hitze und um diese auszuschließen, waren die Rollvorhänge in meinem Zimmer herabgelassen. In leichte und lose Gewänder gehüllt, lag ich ermattet auf der Chaiselongue. Ich hatte die Nacht ziemlich schlaflos verbracht, und jetzt hatte mir ein traumhafter Halbschlummer die Augen geschlossen. Neben mir, auf einem Tischchen, stand eine Vase mit stark duftenden Rosen. Durch das offene Fenster drang der Ton entfernter Trompetenübungen herein. Das alles wirkte einschläfernd, dennoch hatte mich das Bewußtsein nicht ganz verlassen. Nur die

Empfohlene Zitierweise:
Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. Dresden/Leipzig: E. Pierson’s Verlag, 1899, Band 1, Seite 209. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_1).djvu/214&oldid=- (Version vom 31.7.2018)