Seite:Das Geheimnis des Meeres.pdf/132

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Sprit mitgenommen hätten!! Zwei Becher Kognak und alles wäre leichter zu ertragen gewesen!

Europäer, der du vielleicht mal diese Zeilen überfliegst, – ahnst du, daß wir Männer waren, als wir in den Walfischbauch ein Loch säbelten und mitten in Gestank und Verwesung für einen Mitmenschen uns mühten – dazu noch fürchten mußten, jäh einen Schuß durch den eigenen Kadaver zu erhalten!! Kannst du dir die Szene ausmalen, fetter Spießer, wie wir, über uns die kreisenden Schwärme, vor uns faulende Eingeweide, vor uns einen winselnden, stöhnenden Menschenkopf, wie die Verrückten drauf los schnitten!! Nein, du kannst dir das nie richtig vorstellen! Du wirst vielleicht mit deiner gepflegten Hand diese Seite umblättern und denken: „Ekelhaft!“ Oho – ekelhaft!! Und die Drahtverhaue an der Westfront mit Starkstrom geladen, mit Leichen gespickt: So las ich’s in den Kriegsberichten! Oho – – nicht auch ekelhaft?! Und doch Menschenwerk! – Genug davon …

Coy zwängte sich in das Loch hinein, mein prächtiger Freund Coy, der hundert Frackgentlemen aufwiegt – ach was, tausend, zehntausend!!

Coy verschwand in Dreck und Gallert und Fett …

Und ich wartete, spuckte …

Mir war zumute wie damals, als ich zum ersten Male schwer seekrank geworden … Eisiger Schweiß auf dem Leibe … Kein Atemzug reiner Luft … Nur Gestank …

Dann wackelte Chuburs Kopf hin und her, wurde zurückgezogen. In dem Loche erschienen Füße. Ich packte zu, zerrte Chubur ans Tageslicht … Er war nackt. Und wo die Stricke gesessen

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Das Geheimnis des Meeres. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 132. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_des_Meeres.pdf/132&oldid=- (Version vom 30.6.2018)