Seite:Das Tagebuch eines Irren.pdf/26

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9)

kennen lernst. Für mich hatte diese Lektüre nur rein wissenschaftlichen Wert.“

Hilgener hatte schon vorher plötzlich den Kopf tief über das Buch gesenkt und auf die letzten Worte dieser in etwas dozierendem Tone gegebenen Erklärungen nicht mehr geachtet. Wenigstens erwiderte er darauf nichts, sondern schien seine ganze Aufmerksamkeit einer bestimmten Seite dieses eigenartigen Werkes zu widmen, die er mehrmals mit größter Spannung überflog.

Erst nach einer geraumen Weile schaute er wieder auf. „Weißt du vielleicht, Hans, welchen Beruf dieser Joseph Meinert dort unten in der Türkei hatte?“ fragte er.

„Bestimmtes darüber steht in dem Buche nicht. Aber ich besinne mich auf einige Andeutungen, die die wenigen eingeklebten Briefe jenes ausgewanderten Barbiers enthalten. Danach muß er, nachdem er zum Islam übergetreten war, zuletzt so etwas wie Sekretär bei einem höheren türkischen Würdenträger gewesen sein.“ Menk hatte sich bei diesen Worten in seinem bequemen Gartenstuhl vorgebeugt und einen prüfenden Blick auf die Seite geworfen, deren Inhalt seinen Schwager so sehr zu interessieren schien.

Diese Seite war fast ganz mit einem aus sehr grobfaserigem Papier bestehenden Blatte überklebt und dieses Blatt mit noch sehr klarer hellblauer Tinte eng beschrieben.

Der junge Arzt hatte kaum die auffallenden blauen Schriftzüge gesehen, als er auch schon lachend zu Hilgener sagte: „Da bist du also auch bereits auf dieses wunderliche Schreiben gestoßen! Ein eigentümlicher Brief, aus dessen Inhalt man nicht recht klug wird – nicht wahr? – Ich habe mir wenigstens vergeblich den Kopf zergrübelt, was dieser frühere Danziger Haarkünstler

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9). Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1908, Seite 125. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Tagebuch_eines_Irren.pdf/26&oldid=- (Version vom 31.7.2018)