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Liste.png Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9)

Geschichten, mit denen die glühende Phantasie eines Edgar Poe seine Leser in Spannung zu halten wußte. Aber ein Blick in Hilgeners jetzt von einer freudigen Erregung förmlich verklärtes Gesicht ließ sie wortlos weiter lauschen.

„Auch der arme Irre konnte nicht wissen, welch kostbaren Gegenstand er dir, Hans, mit diesem Buche vermachte. Eine Reihe von seltenen Zufällen hat mich erst jetzt, nach achtzig Jahren, die eigentliche Bedeutung dieses seltsamen Briefes herausfinden lassen. Hier“ – er zog aus seiner Brusttasche ein Blatt Papier hervor – „hier ist die Lösung des Geheimnisses:

‚Fünfhundert Schritte von der nördlichsten Ecke der Bastionen des Hafenforts von Navarino nach Südosten stehen auf einem Hügel in einer Linie drei Eichen. Von der mittelsten zehn Schritte nach Westen in einer Tiefe von fünf Fuß liegt ein Schatz, den ich in dieser Nacht vor kaum einer halben Stunde mit meinem Herrn, dem Kapudan-Bei, dort verborgen habe. Nur wir beide wissen darum und können ihn vielleicht nicht mehr heben, da eine Seeschlacht bevorsteht, in der uns der Tod droht. Solltest Du innerhalb eines halben Jahres keine Nachricht von mir erhalten, so suche mit aller Vorsicht die Reichtümer in Deinen Besitz zu bringen.‘“

Als der Ingenieur geendet hatte, schaute er seine Zuhörer erwartungsvoll an. Aber nur in Frau Elsas Augen sah er ein glückliches, hoffendes Aufleuchten. Dagegen machte Doktor Menk ein recht enttäuschtes Gesicht und sagte nach einer Weile kurzen Überlegens in seinem schönsten Kathederton: „Setzen wir schon den Fall, daß dieser Schatz im Jahre 1827 da unten in Griechenland verborgen worden ist, so spricht doch alles dagegen, daß er noch an dem beschriebenen Orte

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9). Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1908, Seite 134. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Tagebuch_eines_Irren.pdf/35&oldid=- (Version vom 31.7.2018)