Seite:Das Tagebuch eines Irren.pdf/41

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9)

Die griechische Regierung übernimmt es, in meiner Gegenwart den Schatz ausgraben, hierher nach Athen schaffen zu lassen und erkennt meine gesetzlichen Rechte daran ohne irgendwelche Einschränkungen an. – Es genügt mir,“ fügte Hilgener höflich hinzu, „wenn Eure Exzellenz ein in diesem Sinne abgefaßtes Schriftstück mit Ihrem Namen versehen. So läßt sich die Sache am schnellsten erledigen.“

Der Minister nickte zustimmend. „Ich werde Ihrem Wunsche gern willfahren, Herr Hilgener, nur möchte ich vorher noch über einen Punkt Aufschluß haben. Sie sagten soeben, daß wir die Ausgrabung übernehmen sollten. Liegt denn der Schatz noch an derselben Stelle, wo Sie ihn fanden? – Ich glaubte aus dem Inhalt Ihres Briefes entnehmen zu sollen, daß Sie ihn bereits anderswohin geschafft haben.“

„Nein, Exzellenz,“ erwiderte der Ingenieur, „das hätte ich allein wohl kaum fertig gebracht. Ich habe in jener Nacht zusammen mit meiner Frau nur ein kleines Loch ausgeworfen und festgestellt, daß dort tatsächlich eine große Kiste liegt, die ihrem Klange nach aus Eisen besteht. Darauf haben wir alle Spuren unserer Tätigkeit wieder sorgfältig verwischt. Mir schien es sicherer, mich an die Behörden zu wenden und deren Hilfe nachzusuchen.“

„Das war recht!“ meinte der Minister befriedigt und fuhr dann mit ehrlicher Anerkennung fort: „Ich glaube kaum, daß ein anderer in Ihrer Lage ebenso selbstlos gehandelt hätte, Herr Hilgener. Die meisten würden wohl ihren Raub in aller Stille beiseite geschafft haben. – Nun, es wird sich ja ein Weg finden lassen, um Ihnen auch den Dank unserer Regierung“ – er machte eine bezeichnende Handbewegung nach dem Knopfloch seines Rockes – „auszudrücken. Jedenfalls

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Tagebuch eines Irren (Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Band 9). Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1908, Seite 140. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Tagebuch_eines_Irren.pdf/41&oldid=- (Version vom 31.7.2018)