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Behausungen. Zelte, aus allen möglichen Fetzen zusammengeflickt, Löcher in die Erde gebuddelt wie Höhlen der Urzeitmenschen, daneben Hütten, die aus Latten, Kistendeckeln, verrostetem Wellblech und Stücken von Petroleumkasten zusammengezimmert sind. Eine ganze Bevölkerung mit unbestimmten Berufszweigen haust dort und treckt immer mehr hinaus, je weiter die Straßen mit den hohen Nummern vorgeschoben werden. Vielleicht prangt solch abenteuerliches Hüttchen auf der ersten Seite im Erinnerungsbilderbuch manch jetzigen Millionärs! Das wissen auch die Leute, die heute noch in den exzentrischen Quartieren äußersten Elends kampieren müssen, und deshalb ertragen sie alles leichter, weil sie es als ein Übergangsstadium ansehen und Beispiele vor Augen haben, daß man sich emporarbeiten kann. Das macht Armut in den neuen Ländern weniger drückend. Auch dem Ärmsten schwebt immer die Möglichkeit des finanziellen Marschallstabs vor. Darum kommen sie ja auch über das große Wasser, um die Hoffnungslosigkeit, die alte Resignation hinter sich zu lassen.

Heute war es aber unendlich melancholisch da draußen. Ein eisiger Wind wehte über das flache Land. Kältebeladen kam er aus der Richtung der großen nordamerikanischen Seen angesaust, fegte alles vor sich her und pfiff unbarmherzig durch

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 99. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/100&oldid=3238935 (Version vom 31.7.2018)