Seite:De Flügel auf Frapan Ilse.djvu/38

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Schweigend und langsam erröthend spazierte sie neben ihm hin.

Zuletzt glaubte er, der mit gespannten Ohren lauschte, etwas von „wieder gut sein“ flüstern zu hören. Aber es rührte ihn wenig. „Wozu?“ fragte er herb, „Sie haben beständig Lust zu lachen, und ich habe keine Lust zu lachen! Wir verstehen uns nicht, und meine Zeit ist mir zu werthvoll, um sie damit auszufüllen, daß ich Ihnen die Ihrige vertreibe.“ Mit Befriedigung bemerkte er, daß sie wieder nasse Augen bekam. Er wurde immer grausamer. „Und übrigens, was nützt mir Ihre Güte? Sie wissen, oder können sich’s denken, daß ich noch nicht heirathen kann. Vielleicht in zehn Jahren, eher nicht. Also! Und was es sonst noch so gibt, zwischen einem Mann und einem Weibe geben kann, geben könnte, das gibt es für Sie, Fräulein, keinenfalls. Dazu gehört Muth, und wie käme ein“ – er stockte – „eine gebildete junge Dame der heutigen guten Gesellschaft zu solchem Muth.“ Er warf ihr einen heftig forschenden Blick zu, sie hatte tief den Kopf gesenkt und schien wie erstarrt in jeder Bewegung. Die Glocke zum Wiederbeginn der Scene ertönte. „Leben Sie wohl und machen Sie sich nach jeder Richtung hin Vergnügen,“ fuhr er sarkastisch fort, „es war nur ein flüchtiger Irrthum von Ihnen, daß Sie meiner dazu bedürften.“ Er verbeugte sich leicht und trat von ihr weg. Mag sie sich allein zu ihrer

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Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/38&oldid=- (Version vom 31.7.2018)