Seite:De Flügel auf Frapan Ilse.djvu/40

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Blumen, der ihn auf seinem langen Heimwege begleitete. Hier mußten Magnolien, hier Narzissen, hier Goldlack blühen, und dann wieder tauchte er unter in ganze Wolken von Apfelblüthenbalsam und Syringendüften. Man hat die Auswahl! Die Blume Anneli war für ihn abgeblüht, aber was bedeutete eine Blume? Es war noch lange Frühling, er war noch jung.

Alles war still und dunkel in dem großen Hause, das er mit einem großen Schlüssel aufschloß. Nur die Angorakatze aus dem Erdgeschosse sprang mit lautem Miauen gegen ihn, dann auf die Straße, von woher verwandte Stimmen sie kläglich-zärtlich zu rufen schienen. Iversen lachte, wie sie den schönen Schweif aufgeregt um die Hinterbeine tanzen ließ, sie, die sonst ehrbar mit niedergeschlagenen Augen ihre stattliche Schleppe wie eine große Dame hinter sich herzog. Aus den großen Gartenbäumen jenseit der Mauer kam ein verträumter Amselruf. Der Mond schien durch die farbigen Treppenfenster, ein geisterhaft beleuchteter Kopf schwamm oben auf der verräucherten Tafel des alten Ölbildes. Alles was jung, von Frühlingsart, voll Leben war, wachte in dieser Nacht; der Student trat leise auf, sprang die Treppen im Fluge hinan: „daß wir nicht wecken, die nicht dazu gehören.“ Wie hart und ungeschickt der zwölfmalige Kuckucksruf hinter Herrn Hasenfratz’s Thür! Das sah dem Grobian ähnlich, daß er auch grobstimmige Uhren hatte! Ach so, jetzt

Empfohlene Zitierweise:
Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/40&oldid=- (Version vom 31.7.2018)