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und sein Korb mit Brot im Bogen fortflog und gerade dem schlafenden Häcksel an die Stirn fiel.

Häcksel erwachte, sah vor sich einen offenen Korb, der voll duftender frischer Brötchen war. Er griff mit beiden Händen zu, und er hatte bereits zwei Wecken verschlungen, als der gestürzte Bäckerbursche herbeigelaufen kam und ein großes Geschrei aufschlug, weil er Häcksel sah, der ein Brot nach dem andern verzehren wollte. Auch der Löwe und der Greis waren erwacht und griffen, da es sie hungerte, nach dem Brot. Als der Bäcker so sehr schrie, warf ihm der eine die brennende Laterne an den Kopf. Zuletzt aber, wie der Bäcker die drei einträchtlich seine Brötchen verschlingen sah und sie genauer betrachtete, lachte er hellauf und fuhr rasch radelnd davon, denn er war in der Nacht als weiblicher Schutzengel verkleidet gewesen und erkannte plötzlich Häcksel wieder, dem er das Silbergeld gestohlen hatte. Er war entschlüpft, als man seine Kameraden, den Rothaarigen und den Schutzmann, verhaftet hatte und hatte zu Hause seinen Vergißmeinnichtkranz, seine blonde Perrücke und sein Schleiergewand abgelegt und war in seine Bäckerei, wo er

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Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 120. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/121&oldid=3248354 (Version vom 31.7.2018)