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und die schönsten Vögel der Welt. Und ich konnte mich bald nicht mehr des Wunsches erwehren, zu keinen anderen Tieren zu gehen als zu den Eulen. So ging es schließlich allen, die um Claudia waren. Die Eulen wurden für jeden der Mittelpunkt des Gartens. Und während die Stimme der schwarzäugigen Frau die Eulen pries, wie ich es noch nie von jemandem gehört hatte, und während einer nach dem andern seine eigenen Wünsche fallen ließ, sah ich auf dem Fünfminutenweg hin zu den Eulenkäfigen Claudias Leben, das sich rasend vor mir abspielte. Man sagt, daß einem von einem Turm oder Berg Stürzenden innerhalb der Sturzsekunden das Leben in blitzartigen Bildern vor den Augen vorüberrase. So geschah es mir mit Claudias Leben auf dem Weg zu den Eulenkäfigen.

Vorher hatte ich es nie im Zusammenhang gesehen. Nie hatte sie selbst mir viel erzählt. Nur Andeutungen, nur Sätze und nur kurze Geschehnisse, erzählt von gemeinsamen Freunden über sie, lagen zerstreut in mir.

Nun aber schossen mir alle diese Eindrücke, wie von einem Magneten angezogen, auf dem Weg zu den Eulen zu einem so tragischen

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Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/151&oldid=- (Version vom 31.7.2018)