Seite:De Geschichten aus den vier Winden Dauthendey.djvu/152

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Lebensbilde zusammen, daß mich jeder Schritt marterte, den ich neben Claudia weitergehen mußte. Und doch lockte mich die Erhabenheit eines verfinsterten Menschenlebens, so wie schmerzliche Flötenlaute bestricken und uns fortführen können in ein Dickicht, durch Stacheln und Dornen.

Claudia war einst eine starke, mutige, das Leben herausfordernde, tapfere, junge Studentin gewesen. Der Mann, den sie heute noch liebt, trotzdem er ihr Grauen einflößt, trotzdem er täglich Mühlsteine an ihre Seele hängt, war damals ein hoher schlanker Student. Claudia hatte ihm den Namen Dagon gegeben; Dagon, der biamesische Gott des Ungeheuerlichen, der Gott des Verschlingens ohne Ende, der Gott der Lebensunsicherheit, zu dem alle Sterblichen beten, und der ihnen nichts für ihr Gebet gibt, keine andere Gewißheit als den Tod. Dagon, der Gott des grauenhaften Nichts, der Schicksalsrachen, der die Menschheit zermalmt, dem niemand Widerstand leisten kann, der Gott, für den die Blumen welken, die Vögel tot aus dem Himmel fallen, vor dem aus Furcht die Erde zu zwei Dritteilen in das bittere Angstwasser ihrer Meere gehüllt steht, während nur ein

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Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 151. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/152&oldid=3248388 (Version vom 31.7.2018)