Seite:De Geschichten aus den vier Winden Dauthendey.djvu/170

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

noch nicht gestorben? fragte ich mich. Das ungeheuerliche Ende, die ungeheuerliche Todesstunde, die in der Brust Dagons das lächelnde Herz voll Ungeheuerlichkeiten töten wird, die ihm und sein allesverschlingendes Lächeln aus der Welt schaffen wird, – wartet Claudia darauf? –

Als wir zu den Eulenkäfigen kamen, trug ich diese letzte Frage in mir. Da saßen wie seltsame weiße und graue Federgruppen die Eulen, diese weichen, lautlosen Nachtgeschöpfe, auf den Ästen abgestorbener Bäume hinter den Gitterstäben. Einige konnten die Köpfe ganz rund um den Nacken drehen. Andere spitzten die katzenartigen Ohren. Aber alle saßen da wie ausgestopfte Federbälge. Die einen hatten wunderbar silberweißes Gefieder, und es wirkte jeder weiße Vogel wie eine einzige ungeheuerliche Riesenschneeflocke. Andere graue Eulen waren wie ein dicker Ballen Spinnweben. Und wenn sie nicht manchmal die Köpfe rundum gedreht hätten, so daß das Gesicht nicht auf der Brust, sondern plötzlich auf den Rücken stand, so hätte man in ihnen kein Leben vermutet.

So sahen die Eulen aus, als wir von weitem an die Käfige kamen. Aber als wir nähertraten,

Empfohlene Zitierweise:
Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 169. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/170&oldid=3248408 (Version vom 31.7.2018)