Seite:De Geschichten aus den vier Winden Dauthendey.djvu/190

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lassen, um sie in Verdacht zu bringen.“ Sie dankte mir dann und entschuldigte sich und ging zum Auto, das ein Privatwagen war. Ich hatte das Fahrzeug vorher in meiner Überraschung, und da ich in Gedanken am Schaufenster bei dem Mammosettäffchen gestanden hatte, gar nicht bemerkt. Der Wagenschlag wurde vom Kutscher zugeworfen, und die Dame flog wie der Nachtwind aus meiner Sehweite fort. Ich stand und wunderte mich eigentlich gar nicht. Denn daß ein Geheimnis, eine Grausamkeit, eine Ungerechtigkeit mit der geheimnisvollen nachtwachenden Kreatur drüben um die Straßenecke in Verbindung stand, das hatte ich mir schon lange gedacht.

An einem der nächsten Abende begleitete ich eine mir befreundete Dame vom Künstlertheater nach Hause, und da es eine sternhelle Nacht war, wollte meine Begleiterin nicht fahren, sondern sie wollte schlendern und die Nachtluft atmen. Wir kamen in der Nettelbeckstraße an dem Schaufenster eines Juweliers vorüber, das die ganze Nacht über beleuchtet dasteht. In diesem Laden gibt es nur alte Schmucksachen, alte Familienschmuckstücke, Familiensilber, altmodische Fingerringe. Da sind viele ergraute Perlen, müde gewordene Edelsteine, graue

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Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 189. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/190&oldid=- (Version vom 31.7.2018)