Seite:De Geschichten aus den vier Winden Dauthendey.djvu/191

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

matte Rosensteine in grauen, trüb gewordenen Silberfassungen.

Wir standen und ließen unsere Augen wühlen und freuten uns, uns gegenseitig zu überraschen mit unserer Vorliebe für die verschiedenen Steine, indem wir in allen Verstecken des Schaufensters nach besonders edlen Fassungen und besonders schönen Schmuckstücken suchten.

Bei diesem lässigen Spiel kam mir der Gedanke, daß die alten Schmuckwaren hinter der Glasscheibe mehr Sorge als Freude in sich trügen, und daß das Schaufenster aussah wie voll Gefangener, die da, herausgerissen aus ihren Lebenswegen, warten mußten, bis sie aus dem Fenster befreit würden, bis sie wieder an warmen Menschenhänden, an zarten Frauennacken, in Frauenhaaren und an Frauenwangen leuchten, aufleben und frei sein durften. Denn das Leben der Steine beginnt erst, wenn sie in Schönheit getragen werden, bei festlichem Licht und festlichem Blut.

Und ich mußte bei den alten gefangenen Edelsteinen an die Schaufenster voll gefangener Vögel, Blumen und Affen denken.

Ich sagte dieses zu meiner Begleiterin, und im Anschluß an die Erzählung von meinen

Empfohlene Zitierweise:
Max Dauthendey: Geschichten aus den vier Winden. Albert Langen, München 1915, Seite 190. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Geschichten_aus_den_vier_Winden_Dauthendey.djvu/191&oldid=3248431 (Version vom 31.7.2018)