Seite:De Orchideen Meyrink.djvu/144

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Die gebleichten Knochen heben sich fast grell aus der Dunkelheit ab. – – – Der höllische Astaroth!

Der Alte hat sich aus dem Zauberkreis in einen Winkel geflüchtet und preßt sich bebend an die kalte Mauer, er kann das rettende Bannwort nicht sagen, die schwarzen, gräßlichen Augenhöhlen verfolgen ihn und starren auf seinen Mund. Sie haben ihm die Zunge gelähmt, – er kann nur mehr röcheln in furchtbarer Angst. –

Langsam, stetig kriecht das Gespenst auf ihn zu – – (er glaubt das Schlürfen der Rippen auf den Steinen zu hören) – – und hebt tastend die Krötenhand nach ihm. – – – An den Knochenfingern klirren silberne Ringe mit glanzlosen verstaubten Topasen –, vermoderte Schwimmhäute verbinden lose die Glieder und strömen einen entsetzlichen Geruch aus nach verwestem Fleisch.

Jetzt – – faßt es ihn an. – – Eisige Kälte steigt ihm ins Herz. – – Er will – will – –, da schwinden die Sinne, und er fällt vorn über aufs Gesicht.


– – – – – – – – – – – –


Die Kohlen sind erloschen, narkotischer Rauch hängt in der Luft und ballt sich längs der Decke. Durch das vergitterte, winzige Kellerfenster wirft das Mondlicht gelbe schräge Strahlen in den Winkel, wo Baldrian bewußtlos liegt.

Er träumt, daß er fliege. Sturmwind peitscht ihm den Leib. Ein schwarzer Bock rast vor ihm durch die Luft, er fühlt die zottigen Läufe dicht vor seinen Augen, und die tollen Hufe schlagen ihm fast ins Gesicht.

Unter ihm die Erde, – weit, weit. Dann fällt er, wie durch einen schwarzsamtnen Trichter immer

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Gustav Meyrink: Orchideen. München o. J., Seite. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Orchideen_Meyrink.djvu/144&oldid=- (Version vom 31.7.2018)