Seite:De Weberin Schuld Heyking Elisabeth von.djvu/012

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glühen; die Holzschnitzer, die in offener Werkstatt immer wieder die gleichen durchbrochenen Wandschirme anfertigen. Kameele, in langer Reihe, zogen noch wie einst mit wiegendem Nicken der würdevollen Köpfe durch die Straße; neben ihnen afghanische Karawanentreiber mit grünem Turban und rotgefärbten Bärten. Unverändert waren auch die fetten bengalischen Babus mit ihren Imperatorenköpfen dekadenten Zeitalters, ihren togaartigen Gewändern, weißen Socken an nackten haarigen Beinen, schwarzen Zugstiefeln und baumwollenen Regenschirmen. Alles so unverändert, als müßten es noch dieselben Menschen, dieselben Tiere sein, die sie hier vor Jahren gesehen!

Aus dem Gewirr der Stimmen begann sie einzelne Klänge zu unterscheiden; sie hatte damals die Sprache der Eingebornen erlernt mit dem Eifer der Jugend und ihrem heiligen Glauben an den Wert des Wissens; jetzt erkannte sie die Laute, die sie so lang nicht mehr vernommen, und verstand alsbald wieder ihren Sinn.

Nun bog sie aufwärts zu dem bewaldeten Berge, wo die Bungalows der weißen Beherrscher des Landes verstreut im Grünen liegen. Hier begegneten ihr Regierungsboten in scharlachroten, goldbetreßten Gewändern; mit ernsten Mienen trugen sie für ihre fremden Gebieter Aktenmappen in die Ministerien oder auch

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Elisabeth von Heyking: Weberin Schuld. G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1921, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Weberin_Schuld_Heyking_Elisabeth_von.djvu/012&oldid=- (Version vom 31.7.2018)