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folgten ihm die Tiere des Gartens, während der graubärtige Affe auf seinem Aste unwillkürlich alle Bewegungen des Wundermannes nachahmte. – Da begann erst die eine, dann die andere Schlange hin und her zu schwanken, im Takte dem Trommelstab folgend, der abwechselnd auf die beiden Seiten der Trommel schlug; bald nach rechts, bald nach links wiegten sich die aufgeblähten Leiber. Wie trunken taumelten sie, immer willenloser werdend. Und eine nach der anderen sanken die Schlangen in Ringeln zusammen, von plötzlichem Schwindel mitten im Zaubertanz niedergeworfen. Da packte sie mit raschem Griff der alte Gaukler, schob je eine in jeden der flachen Körbe und schlug den Deckel zu, immer noch mit der anderen Hand die Trommel schwingend, bis auch die letzte geborgen war.

Und all die noch eben zirpenden, singenden, surrenden und summenden Zuschauer erschauerten, ganz still geworden vor der geheimnisvollen Macht, die das gefährlichste aller Tiere durch die Gewalt ihres Willens zu bannen vermochte.

Der Gaukler stand auf und verneigte sich wiederum tief: »Ist die Beschützerin der Armen zufrieden?«

Doch sie hatte kaum auf die Schlangen geachtet. Unverwandt hing ihr Blick an der seltsamen kleinen Trommel, die der Alte noch in seinen dürren Händen hielt und

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Elisabeth von Heyking: Weberin Schuld. G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1921, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Weberin_Schuld_Heyking_Elisabeth_von.djvu/032&oldid=- (Version vom 31.7.2018)