Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/204

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.


Plötzlich stürzte Dorothee ängstlich herein.

„Gott! gnädige Gräfin! stammelte sie, Salzmann ist hier.“ Salzmann war Eustachs Kammerdiener. Cornelie sank besinnungslos im Sopha zurück und schrie:

„Eustach ist todt!“

– – – – – – – – – –

Der Briefwechsel der Schwestern war in den letzten Jahren durch lange und immer längere Pausen unterbrochen worden. Aurora, die von Kindheit auf ein gewisses Bedürfniß der Exaltation geäußert und erstrebt hatte, fand in ihren religiösen Anschauungen ein schrankenloses Feld für diese Neigung, eine Auffoderung sich derselben ohne Rückhalt hinzugeben. Glaubensansichten, und mehr noch Art und Weise ihrer Aeußerungen, können leicht etwas Zelotisches annehmen, weil sie aus den innerlichsten Ueberzeugungen, oder besser, aus dem innerlichsten Kern des Menschen hervorgehen, so daß Jeder an dem seinen hängt wie an Seele und Leben, und mit ihnen nicht bloß für die Erde, sondern auch für den Himmel Schlachten liefert. Diese Schlachten sind die heißesten die je geliefert worden, und Aurora suchte mit aller Kraft die ihre gegen Cornelie zu gewinnen. Cornelie hingegen hatte durchaus nicht den Bekehrungsberuf; sie glaubte daß der individuelle

Empfohlene Zitierweise:
Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 203. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/204&oldid=3262168 (Version vom 31.7.2018)