Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/208

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„Nein, Gott sei Dank! das Alles thaten wir nicht, und ich werde es mit Hülfe meiner gesunden Vernunft auch niemals thun!“ brauste Elsleben heftig heraus und verließ das Zimmer, während Aurora ihm nachrief:

„O Friedrich! sei eingedenk des Wortes der Schrift: „Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen giebt er Gnade.“

Dann nahm sie ihre Bibel zur Hand, las mit inbrünstiger Andacht den Ausspruch des Apostels: „ – wer den Sünder bekehret hat von dem Irrthum seines Weges, der hat einer Seele vom Tode geholfen, und wird bedecken die Menge der Sünden;“ –

und fühlte sich in dem Vorhaben erkräftigt nicht zu ermatten bei der Bekehrung ihres Mannes und dadurch ihr eignes Seelenheil zu fördern.

Doch wie gesagt: sie scheiterte gänzlich! er wurde nicht fromm – wol aber gereizt, verdrießlich, verstimmt, übellaunig, er! der sonst der freundlichste, wolwollendste, harmloseste Mensch war. Die ewige Quälerei um sein Seelenheil erbitterte ihn und veranlaßte ihn zu den heftigsten Vorwürfen über ihren geistlichen Hochmuth, die sie mit der Gelassenheit einer Märtyrin hinnahm. Bei dem beständigen Widerstand den Aurora ihm aufzwängte, gewöhnte er, der eben kein überlegner Character war, sich den

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 207. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/208&oldid=3262172 (Version vom 31.7.2018)