Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/229

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nur ungewiß ob Sie mich mehr als Courier oder als Cicerone beloben werden.“

Für Cornelie ging die Kunst wie eine neuentdeckte Welt auf. Sie lernte in derselben eine ihr bisher ganz fremde Phase der Menschheit kennen, und sah wie die Richtung der Masse die Basis und die Vorbereitung bildet, auf die sich einzelne beherrschende Genies wie auf ihr Piedestal hinstellen. Mit ihrem Ernst und ihrer Tiefe lief sie nicht Gefahr in dürftige Kunstkennerei, öden Dilettantismus, modische Protektion der Künstler zu verfallen. Sie blieb ihrem Grundsatz treu: für sich selbst, innerhalb seiner Sphäre, für seine eigene Befriedigung muß der Mensch sich bilden. Daher mögen Wenige einen so wahren Genuß und einen so ächten Vortheil von einer italienischen Reise heimgebracht haben als sie. – Unsre alte Bekanntschaft aus Doberan erneuerten wir in Rom und Neapel. Dort hatte ich sie kennen gelernt, hier lernte ich sie lieben und bewundern.

Als Lohn für seinen „mühsamen Dienst“ hatte Fürst Gotthard sich von ihr erbeten, daß sie ihre Rückreise durch die Steiermark und über Callenberg machen wolle. Von Grätz aufwärts ins Muhrthal hinein, auf einem grünen Hügel, an höhere Berge gelehnt, lag das alterthümliche, in spitzen Thürmen

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 228. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/229&oldid=3262193 (Version vom 31.7.2018)