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Es ist erhaben, aber für euch ist es nicht erhaben. Woher lässt sich das beweisen? Aus dem Verse hier: „Denn das Gebot, was ich dir heute gebiete, ist nicht zu erhaben für dich.“

[3] Das steht auch geschrieben Prov. 24, 7: „Zu hoch ist dem Thoren die Weisheit, im Thore thut er seinen Mund nicht auf.“ Was heisst das: „Zu hoch ist dem Thoren die Weisheit?“ Dieser Thor, sagte R. Tanchuma, tritt in das Versammlungshaus und siebt da wissenschaftliche Verhandlungen pflegen und er weiss nicht, wovon die Rede ist und schämt sich, wie es heisst: „Im Thore thut er seinen Mund nicht auf.“ Unter שער Thor ist nichts anderes als das Synedrium zu verstehen vergl. Deut. 25, 7: „So soll seine Schwägerin in’s Thor gehen zu den Aeltesten.“ Oder die Rabbinen sagen: Dieser Thor tritt in das Versammlungshaus und sieht da die Leute mit der Thora beschäftigt und er fragt sie: wie erlernt der Mensch die Thora? und er erhält die Antwort: Er liest zuerst die Megilla (מגילה d. i. das Alphabet, was auf eine Megillarolle geschrieben wurde), dann kommt das Buch (ספר, die Thora) daran, darauf folgen die Propheten und hernach die Haggiographen; wenn er die Schrift nun inne hat, so lernt er den Talmud, dann die Halachot und dann die Haggadot. Als er das hörte, dachte er bei sich: Wann könnte ich wohl das alles erlernen (es ist gar nicht möglich), und er geht vom Thor wieder zurück. Das wollen die Worte sagen: „Im Thore thut er seinen Mund nicht auf.“ R. Janai sagte: Womit ist das zu vergleichen? Mit einem Laib Brot, der in der Luft hängt. Der Thor spricht, wer kann wohl das Brot herunterbringen, der Kluge aber denkt, hat es nicht einer hinaufgehängt? Er schafft eine Leiter herbei oder ein Rohr und bringt es damit herunter. So spricht auch jeder Thor: Wann kann ich die ganze Thora lesen? Der Kluge aber, was macht er? Er lernt an jedem Tage einen Abschnitt, bis er die ganze Thora gelesen hat. Gott sprach: Sie ist nicht zu erhaben, und wenn sie für dich erhaben ist, so kommt das daher, weil du dich nicht mit ihr beschäftigst. Das wollen die Worte sagen: „Dieses Gebot“ u. s. w.

[4] Oder in Verbindung mit Prov. 4, 22; „Denn sie sind Leben denen, die sie finden“ u. s. w. R. Chija sagte: Sie sind eine (heilsame) Salbe (κολλύριον) für das Auge, ein Pflaster (μάλαγμα) für die Wunde, ein Wurzelkelch[1] für den Unterleib; eine Salbe für das Auge, wie es heisst Ps. 19, 9: „Des Ewigen Gebot ist lauter, erleuchtend die Augen;“ ein Pflaster für die Wunde, wie es heisst Prov. 3, 8: „Heilung wird es sein deinem Leibe;“ ein Wurzelkelch für den Unterleib, wie es heisst das.: „Erquickung deinen Gebeinen.“ Oder: „Denn sie sind Leben denen, die sie finden“ d. i. dem, der sie mit seinem Munde ausspricht (שמוציאן). Ein Schüler des R. Elieser ben Jacob erlernte seine ganze Aufgabe in einer Stunde, einmal wurde er krank und


  1. נום עיקרים ist ein Becher mit dem Saft der Wurzeln verschiedener Kräuter. Vergl. Schabb. fol. 109b und 110a.
Empfohlene Zitierweise:
August Wünsche (Übersetzer): Debarim Rabba. Otto Schulze, Leipzig 1882, Seite 94. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DebarimRabbaGermanWuensche.djvu/102&oldid=- (Version vom 31.7.2018)