Seite:Der Tempel Salomonis.pdf/16

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Teil des Mosaikfußbodens zu lüften und schließlich ganz hochzuklappen.

Das Nächste, was sich ereignete, war ein leiser Pfiff der Überraschung und Befriedigung, den Pinkemüller ausstieß. Weit vorgebeugt stand er über der quadratischen, gähnenden Öffnung, senkte nun die Lampe tiefer und tiefer und … setzte vorsichtig den Fuß auf die oberste Stufe einer Steintreppe, die steil in die Tiefe führte. – –

Oben im versteinerten Walde und in dessen Umgebung suchten die Iringi, ganz besonders Ibrahim ben Garb, fünf Tage lang unermüdlich nach den auf so rätselhafte Weise verschwundenen Gefangenen. Dann brachen die Beduinen auf und zogen nach Westen zu davon.

Als letzte verließen Shlook und Ibrahim den versteinerten Wald und die kleine Oase. Der Engländer, seit seiner Verwundung sehr in sich gekehrt, schaute sich dann nochmals nach den am Horizont nur noch undeutlich zu erkennenden Steinsäulen um und sagte müde und kläglich:

„Ich werde diesen Ort nie vergessen! Er hat mich mein gesundes rechtes Handgelenk gekostet.“

Über des Wüstenräubers braunes Gesicht flog ein verächtliches, gleichzeitig auch schadenfrohes Lächeln.

„Wenn die zehn wirklich unsere durch den Sandsturm auseinandergejagten Dromedare, von denen fünfzehn fehlen, gefunden und eingefangen haben sollten, werden sie doch trotz der Reittiere nicht weit kommen. Sie haben keinen Proviant, und Wasser gibt es hier im Umkreise von hundert Meilen nicht für einen Unkundigen! Außerdem – die fünfzehn Iringi, die im Süden noch nach Spuren der Entflohenen suchen sollen, müssen ja etwas von Fährten finden. Und dann – dann wird Ibrahim ben Garb schließlich doch triumphieren!“

Shlook erwachte aus seiner stumpfen Gleichgültigkeit. Die Aussicht, sich noch an dem rächen zu können, der ihn halb zum Krüppel gemacht hatte, weckte wieder alle schlechten Instinkte in ihm. – –

Das Leben, das die zehn nunmehr in dem verschütteten Tempel wiedervereinigten Gefährten während dieser fünf Tage führten, war das denkbar eintönigste und entbehrungsreichste.

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Der Tempel Salomonis. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 15. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_Tempel_Salomonis.pdf/16&oldid=- (Version vom 31.7.2018)