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vor unseren Verfolgern zu erreichen. Das ist unsere einzige Rettung – vorläufig!“

Die beiden Dromedare, angefeuert ihr Letztes herzugeben, stoben davon. Auf der Gegenseite war sofort die Absicht der Umzingelten erkannt worden, und auch hier schossen die hochbeinigen Tiere wie die Windsbraut vorwärts.

Der Doktor hatte von verwitterten Steinen gesprochen. Dies war insofern nicht ganz zutreffend, als der Ausdruck „Steine“ leicht ein falsches Bild von der Größe der drei Felskolosse geben kann, die da einsam dicht nebeneinander aus dem Wüstensande hervorragten und denen die abschleifende Kraft des feinkörnigen Sandes und die Verwitterung ganz besondere Formen gegeben hatten.

Riesigen Pilzen glichen diese acht Meter hohen und ebenso breiten Steingebilde. Vor Jahrtausenden mochten sie mal ein einziger gewaltiger Felsblock gewesen sein. Dann hatte allmählich die Insolation, die Zerbröckelung einzelner Stellen infolge der Temperaturunterschiede zwischen Tageshitze und nächtlicher Abkühlung, ihr Zerstörungswerk begonnen, hatte auch der vom Winde gepeitschte Wüstensand dabei mitgeholfen und schließlich diese drei steinernen Pilze entstehen lassen, die, etwa als gleichseitiges Dreieck angeordnet, zwischen ihren flachen Pilzhüten nur wenig freien Zwischenraum hatten und es gestatteten, daß man bequem von einem Pilz auf den anderen springen konnte.

Die ersten Zeichnungen dieser Wüstenpilze verdanken wir dem bekannten Forscher G. Schweinfurth. Er ist es auch, der uns genauen Aufschluß über die zerstörende Kraft der Insolation und über die Schleifarbeit des Wüstensandes gegeben hat. Auch an den berühmten Pyramiden von Gizeh kann man diese Wirkungen deutlich wahrnehmen. Die Gelehrten sprechen jedoch, wenn sie des Vernichtungswerkes der Insolation gedenken, daneben stets auch von der Deflation, d. h. von den Wirkungen des Windes, die die durch Insolation zerbröckelten Gesteinteile entführt und tiefe horizontale Spalten in die Felsen gräbt.

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Der versteinerte Wald. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_versteinerte_Wald.pdf/9&oldid=- (Version vom 31.7.2018)