Seite:Der weiße Maulwurf.pdf/32

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Lüning schaltete das Licht ein, stutzte, fuhr zurück und lehnte sich, noch tiefer erbleichend, an den Türrahmen.

Strahls Bett war leer, war zerwühlt, – weder Strahl noch das Glas mit den Resten von Gift noch der weiße Maulwurf wurden gefunden.

Die Villa schlief.

Frau Lüning hatte ihr Schlafzimmer im ersten Stock neben ihrem Salon, sie mußte erst geweckt werden, dann erschien auch das Personal, niemand wußte etwas über den Verbleib des Dieners, niemand hatte ihn zurückkommen hören, nirgends zeigten sich Spuren des gewaltsamen Eindringens fremder Personen. – Frau Lüning, in einen sehr eleganten Morgenrock gehüllt, hatte sehr lange auf sich warten lassen, sie war anscheinend äußerst gefaßt, sie war tadellos hergerichtet, sah überraschend jung aus und nahm die seltsame Mitteilung über Strahls Selbstmord und das Verschwinden der Leiche unnatürlich gleichgültig hin. Ihre Züge blieben Maske, und als Dwars nun an den Generaldirektor erneut einige Fragen richtete, rauchte sie, im Sessel zurückgelehnt, mit sehr schön abgerundeten Bewegungen eine Zigarette.

„… Wenn ich auch nicht studierter Chemiker bin“, erwiderte Lüning zerstreut und immer wieder seine Gattin heimlich musternd, „so verstehe ich als Leiter der rheinischen Werke Lüning-A. G. doch von Giften genug, Herr Kommissar … Die Reste in dem Wasserglas waren eine starke Hyoscin-Lösung[WS 1], mit Alkohol vermischt, wahrscheinlich Kognak … Ich habe davon geschmeckt. Ein Irrtum ist ausgeschlossen. Was den weißen Maulwurf betrifft, – darüber mag Ihnen meine Frau Auskunft geben … Ein lächerlicher Aberglaube, aber gefährlich …“

Dwars nickte. „Ja, – ein Aberglaube, der in Siebenbürgen seine Heimat hat … Ich bin im Bilde, gönnen wir der gnädigen Frau Ruhe …“

Nun, Frau Geraldine sah kaum schonungsbedürftig aus. Die ganze Untersuchung der recht mysteriösen Angelegenheit

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Siehe Wikipedia: Hyoscin, auch Scopolamin.
Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Der weiße Maulwurf. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1932, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_wei%C3%9Fe_Maulwurf.pdf/32&oldid=- (Version vom 31.7.2018)