Seite:Der weiße Maulwurf.pdf/58

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Wohltat und schaute fragend, unsicher zu Harst empor.

„Meine Frau … liebt mich?! Ist das wahr?“

„Es ist wahr … Sie hält Sie für geisteskrank … Sprechen Sie, Lüning … Ich will Ihnen helfen, Ihnen das Geständnis erleichtern … Der Mann, den Sie verbargen, muß eine große Ähnlichkeit mit Ihnen haben, muß gleich alt sein, es kann nur Ihr Bruder sein …“

„Mein … Zwillingsbruder“, gestand der andere tonlos. „Mein Zwillingsbruder, für den ich von Kind an eine unvernünftige Liebe und noch unvernünftigere Rücksichtnahme allzeit bereit hatte … Ich heiße nicht Lüning … Mein Vater war Deutscher, wanderte nach Klausenburg in Siebenbürgen aus, er hieß Schmiedling … Er hatte nur zwei Söhne, Zwillinge, – Ernst und mich … Mein Bruder geriet in schlechte Gesellschaft, als die Eltern verstorben waren. In Klausenburg gab es einen Kreis von Gesunkenen, die sich die weißen Maulwürfe nannten und planmäßige Raubzüge unternahmen, wobei sie den Aberglauben der ländlichen Bevölkerung ausnutzten. Als der große Mordprozeß in Klausenburg spielte und ich fürchtete, mein Bruder könnte der Täter sein, eignete ich mir die Papiere eines verstorbenen Freundes an und ging nach Berlin und arbeitete mich als Siegfried Lüning empor …“ Er sprach das alles wie etwas Eingelerntes … Man merkte, daß er diese Dinge immer wieder überdacht hatte: Das Verhängnis seines Lebens! … „Mehr als zehn Jahre lebte ich in Ruhe und Frieden, nur damals, als ich um Geraldine warb, wurde ich an die düstere Vergangenheit erinnert … Fräulein Födösy glaubte in mir den Mörder von Karpati zu erkennen … Und dann … erschien mein Bruder Ernst hier vor einem Jahr, – – als flüchtiger Sträfling … Aus dem Zuchthaus war er entwichen, er drohte mir, ich war schwach, ich fürchtete den öffentlichen Skandal, fürchtete den Zusammenbruch meines Lebenswerkes, – ich hieß ja nicht Lüning, ich hieß und heiße Georg Schmiedling, das ist mein wahrer Name … Ich fürchtete den Zusammenbruch und ich verbarg

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Der weiße Maulwurf. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1932, Seite 58. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Der_wei%C3%9Fe_Maulwurf.pdf/58&oldid=- (Version vom 31.7.2018)