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erste Versuch, mit Hilfe der Spanndrähte der Flugmaschinen, die, zu einem Drahttau vereinigt, mit der an einem Ende angebrachten Schlinge um einen Höcker des jenseitigen Höhlenbodens geworfen werden sollten, war wie gesagt mißlungen. Schließlich entschloß sich der gewandte Gefreite dann, als er kein anderes Mittel fand, zu einem tollkühnen Versuch: er wollte mit einem Anlauf den Schlund überspringen …! – Balder und Plautsack rieten zwar entschieden hiervon ab; Blenkner jedoch ließ sich nicht mehr umstimmen.

„Wir dürfen auf keinen Fall hier tatenlos dasitzen“, erklärte er. „Jede Stunde Zeitverlust bringt uns dem Tode näher. Darüber müssen wir uns klar sein. Jetzt sind wir noch gut bei Kräften. Das muß ausgenutzt werden. Die Rettung winkt uns nur da drüben.“

Sofort begann er nun auch mit den Vorbereitungen für dieses Wagnis, das ihm nur zu leicht das Leben kosten konnte. Er entledigte sich seiner schweren Stiefel, suchte an der schmalsten Stelle eine ebene Fläche zum Absprung aus, gab Balder und Plautsack je eine der Acetylenlaternen in die Hand, damit er genügend Licht hatte, prüfte mit den Augen genau den gegenüberliegenden Rand des Schlundes und schnellte sich endlich ohne langes Zögern nach kurzem Anlauf über die gefährliche Tiefe hinweg, um drüben tatsächlich glücklich zu landen. Jedenfalls war die Angst des Freundespaares Max und Moritz gänzlich überflüssig gewesen. – Der kühne Springer ließ sich nun von Plautsack das eine Ende des auf seine Festigkeit vorher sorgfältig geprüften Drahttaues herüberwerfen und befestigte es nach kurzer Umschau an einer starken Zacke

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Die Höhlen von Saint-Pierre. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 27. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_H%C3%B6hlen_von_Saint-Pierre.pdf/28&oldid=- (Version vom 31.7.2018)