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Edmund Husserl, Die Krisis der europäischen Wissenschaften...

hier vor allem Einblick gegeben in die Problematik der Konstitution des reinen Bewußtseins selbst, der Zusammenhänge zwischen transzendentalem Ich und Ich-Mensch. Besonders wertvoll ist die Durchführung konkreter Einzelanalysen, deren Bedeutung für die großen prinzipiellen Fragen gezeigt wird.

Der universale Anspruch der transzendentalen Phänomenologie fordert die thomistische Philosophie zur Auseinandersetzung auf: auf der einen Seite zeigen die durchgeführten Analysen, daß hier in der Tat ein großes Forschungsgebiet neu erschlossen ist. Andererseits ist die Etablierung des cogito als ens primum et absolutum (vielleicht ist es gar nicht erlaubt, es Seiendes zu nennen, weil konstituierendes Leben und konstituierte Gegenstände keineswegs univok, höchstens analog als seiend zu bezeichnen sind) etwas, was mit dem Kern des Thomismus unvereinbar scheint. Gibt es eine Möglichkeit, von der philosophia perennis aus die Problematik der phänomenologischen Konstitution sich zu eigen zu machen, ohne zugleich das, was man den transzendentalen Idealismus der Phänomenologie nennt, zu übernehmen?


EDMUND HUSSERL,
DIE KRISIS DER EUROPÄISCHEN WISSENSCHAFTEN UND DIE TRANSZENDENTALE PHÄNOMENOLOGIE

Eine Einleitung in die phänomenologische Philosophie. (Erschienen im I. Band der Zeitschrift Philosophia, Belgrad 1936, S. 77-176.)

Arthur Liebert, der frühere Herausgeber der Kantstudien, hat seinen Wohnsitz von Berlin nach Belgrad verlegt und gibt nun als Nachfolgerin der Kant Studien die Zeitschrift Philosophia heraus. Der I. Band dieser Zeitschrift bringt einen Beitrag von Edmund Husserl, dem weitere folgen sollen. Es werden darin Gedanken ausgearbeitet, die er in einer Vortragsfolge zu Prag im November 1935 entwickelt hat.

Der Begründer der Phänomenologie lebt in Freiburg i. Breisgau in großer Zurückgezogenheit. Er ist kürzlich 78 Jahre alt geworden und hat in seinem Alter viel Schmerzliches und Bitteres erfahren, aber er arbeitet mit unermüdlicher Anstrengung und erstaunlicher Kraft an der Vollendung dessen, was er als die Sendung seines Lebens ansieht. Was von Husserl im Druck erschienen ist, war immer der

Empfohlene Zitierweise:
Edith Stein: Zwei Betrachtungen zu Edmund Husserl. Editions Nauwelaerts, Louvain 1962, Seite 35. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Edith_Stein_-_Welt_und_Person.pdf/35&oldid=- (Version vom 31.7.2018)