Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 10.pdf/3

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     Drim soll d’r Mänsch nett gleich verzoong[1],
Wänn mannichmool in schlachten Toong[2],
’s scheint als blickte von d’n Himmel,
Kä wachend Aag[3] ins Waltgetimmel.

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Dänn immer in d’r hechsten Zeit,

Is Gottes Hillef a nett weit.
Drim soll d’r Mänsch a mit Vertraue,
Zu jeder Zeit aufwarts schaue.




Aene Nacht im Samsoner Schacht.


     Unvergaßlich bleibt gewiß daar Toog,
Wu äänst iewer Annarschbarrig Unwatt’r luußbrooch.
Wies ängstlich ging von Mund zu Mund,
Daß viele Barkleit käme noch Grund[4].

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Gewiß hot schäterhin noch Manniger gedacht

An in daar Zeit, letzten Fahrt im Schacht.
Dänn wu frieher vielfach Lieder gesunge,
Is an dan Tog mannicher Seifzer erklunge.

     Mehere Jahre waarn seitdan vergange,

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Of d’r Gruub waarsch wieder bess’r gegange,

Un vielfach huur m’r de Leit hie saan:
„Hatte m’r frieher seche Aerze[5] wie m’r jetzt hie haan,
Su schtändes besser mit unnerm Ort,
Dänn brauchten sicher Käne fort.

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’s kläng gewiß im gansen Hauf,

Viel bess’r wie heit d’r Gruß: „Glick auf!“

     Gans annerscht waarsch jetzt im Schacht
Seit die Buhrmaschiene aangebracht,
Wu frieher mit’n Feistel wuur geschlaan,

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Troot m’r jetzt mit Maschiene aan.

  1. verzoong = verzagen.
  2. Toong = Tagen.
  3. Aag = Auge.
  4. Grund ist eine Bergstadt im Oberharz.
  5. Aerze = Erze.

Anmerkungen (Wikisource)