Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 2.pdf/13

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Un ich gläb, daß Viele in dar Nacht
Hotter Trääm[1] nong Carcus gebracht.

     Nu kame Toge mit Bange un Hoffen, —

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„Ach wär doch d’r Carcus arscht eingetroffen!“

Un wie nu’s Woch’nblot die Nochricht gebracht,
’s Nachmittog’s wir ä grußer Aufzug gemacht,
Do war dänn Alles guten Muth’s, —
Mir ower schwaante gleich nischt Gut’s.

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Ich war trotzdann schtille, saate[2] kä Wort,

Sinst hatte ich zum Feind d’n gans’n Ort.

     Nu broch ändlich aan d’r 10. August
Un frädig hub sich jede Brust,
Dänn domit nu Käner sollte klaan,

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Sollte Jeder Schicht bei d’r Arbt eh’r haan.


     Of d’r Grub warsch nu su eingericht,
Daß Jeder hatte ’s Mittog’s Schicht,
Un hettes of d’r Hitt nett su viel Imschtänd gemacht,
Su wär’n sämmtliche Feiersch[3] zur Ruh gebracht.

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Drim huß es a in dar Zeit:

„Ach, diese arme Hittenleit,
Die miss’n Sunntig[4] un immer fort,
’s mog sein woß do will in Ort!“

     Su kam der Nachmittog nu aan

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Un kaum hattes zwäe[5] geschlaan,

Do wursch a labhaft in d’n Ort,
Alles zug nong Schlabaam[6] fort.
Mitter mit Kinnern off’a Arme,
Greise un Greisinn’ zum Erbarme.


  1. Trääm = Traum.
  2. saate = sagte.
  3. Feiersch = Oefen.
  4. Sunntig = Sonntag.
  5. zwäe = zwei.
  6. Schlabaam = Schlagbaum-Straße.

Anmerkungen (Wikisource)