Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 2.pdf/15

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     In Carcus war ä buntes Bild,
D’r ganse Raum war ausgefillt.

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Nu broch’s rein wie es jingste Gericht:

Musik, wie noch Käner zu här’n gegricht;
Hauptsachlich warsch su ä langer Bängel,
Dar blies wie ä Posauneengel.

     Drauf kam reingeschtarmt of schtolsen Roß

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Ae schwarzer Mänsch, ä wahrer Koloß;

Haar[1] riet[2] in dan Schranken auf un nieder,
Bewagte elastisch seine Glieder.
’s huß nu gleich zwischen d’n Leiten:
„Ach guckt, wie schien daß dar kann reiten!“

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Doch kaum war dis ausgeschproch’n

Do hatte Roß un Reiter sich wieder verkroch’n;
Drimm ruffte noch ä Mäd’l gans heiter:
„Ach disser arme Reiter!“

     Jetzt folligte of änanner Reiten und Schpringe,

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’s wurn Witze gemacht, — ’s wollte blus käner gelinge.

Von viel’n Guck’n thaten än de Aang[3] gans weh
Un deshalleb sog m’r in d’r Heh;
Dänn m’r bemarkte manniges Gesicht,
Wos m’r sinst nett hette zu sahn gekricht.

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     Wie’s nu ower huß: „De Vorschtellung is geschlossen!“

Do war Jeder argerlich un verdrossen.
Allerwartz huß es: „Na, dis is ower schtark, —
Wos hot m’r gehatt vor seiner Mark!“
Die Männing[4] war zwischen All’n

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Un huß: „Wir sein neingefall’n!“

  1. Haar = Er.
  2. riet = ritt.
  3. Aang = Augen.
  4. Männing = Meinung.

Anmerkungen (Wikisource)