Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 5.pdf/19

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Un rasch ward’r noch untergebracht,
Hin fährt d’r Zug in dunkler Nacht.

65
     Rasch verging de Zeit bis noch Barlin,

Verwunnert blickt’r auf, wierer kimmt hin;
In aller Eil schteigt’r aus,
Haar schtieht wie dumm in Nachtesgrauß.
Viel, viel mecht’r drim gaan[1],

70
Kännt’r jetzt sän Freind hie sahn.


     Pletzlich fiehlt’r sich imschlunge,
Laut rufft Aener: „Mei guter Junge,
Hoob ich ändlich Dich gefunden!“
Un — dänn waarer rasch verschwunden.

75
     Verschunden waar seine Uhr mit’r Keet[2],

Haar macht hinter dan Mänschen haar, will’ne schtell’n zu Reed,
Doch wu isser zu traff’n, wu soll’r hin,
„Ach!“ seifzter: „ä schlacht Willkumme in Barlin!“

     Nu dorchwannerd d’r dänn viele Schtroßen,

80
Bis dasser schtiehn bleibt, haar häert nämlich Blosen,

Un gerod waarsch seine Lieblingsmelodie,
Die haar gaarn häert Oomd un Frieh.
Un frädig pocht’ne jetzt sei Harz[3],
Vergass’n is sei Kummer, vergass’n sei Schmarz[4],

85
Drim gitt’r rasch nein in dan Haus

Un will die Leit nu freeng[5] aus;
Doch wierer neinkimmt, sieht’rsch all,
’s is nämlicher grußer Maskenball.


  1. gaan = geben.
  2. Keet = Kette.
  3. Harz = Herz.
  4. Schmarz = Schmerz.
  5. freeng = fragen.

Anmerkungen (Wikisource)