Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 5.pdf/25

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Dasser mool off’n Bild, die zeigte auf’n Ort,
Die de do wäärn zum Faldzug fort.

45
Hauptsachlich waarns de Mitter, die huurn nett auf,

Bisser of jeder Froog[1] goob äne Antwort drauf.

     Su freegt äne Mutter oog ihr’n Fritz
Un huuch is d’r Arm wie der Blitz
Un zeigt of än Soldat nu drauf,

50
Daar vorn schtieht im greßten Hauf.


     Nu hellt äs Freeng fortwährend Schtrich,
Aene freegt nong[2] Franz, de Annere nong Heinrich,
Un jedes Mool is d’r Arm in d’r Heh,
Vor Aanschträngung[3] thutt’r all gans weh.

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     Gaarn[4] wäär der Mann wieder verschwunden,

Doch hot sich wieder äne Fra eingefunden,
Die drickt’ne zwä gute Gresch in d’r Hand
Un freegt: „Wu hot dänn mei Kar’l sän Schtand?“

     Do zeigt’r dänn noch dan Vederschten[5] off’n Bild,

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Dann aus meh’rn Wunden äs Blut rausquillt,

Un die Mutter glääbt nu disses Mar’l[6],
Wierer saat: „Dis ist der Frau ihr Kar’l!“
Wu hette sie sich dis in ihr’n Kar’l gedacht,
Derhäm warer su schtille un hie d’r Arschte[7] in d’r Schlacht.

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     Vor all’n Eifer hatte nu Käner wahrgenumme,

Daß ä paar junge Leit sein derzu gekumme.
Die hatt’n nu all lang zugesahn,
Wie dan Mann waar immerzu Gald gegahn[8];


  1. Froog = Frage.
  2. nong = nach dem.
  3. Aanschträngung = Anstrengung.
  4. Gaarn = gerne.
  5. Vederschten = Vordersten.
  6. Mar’l = Märchen.
  7. Arschte = Erste.
  8. gegahn = gegeben.

Anmerkungen (Wikisource)