Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 7.pdf/17

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     Verschaamt[1] un racht niedergeschlaan
Guckte Aene nu de Annere aan.
„Ach kummt“, satense[2], „lott uns mant giehn,
Als wie hie zum Gelacher[3] schtiehn.
Do guckt, wie Alles uns betracht

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Un wie d’r Heinrich uns belacht.

Ward daar schließlich noch Corporal,
Dänn macht’r uns gewiß noch Qual!“

     Doch waarnse[4] kaum ä paar Minuten fort,
Do wuursch dänn laabhaft in d’n Ort.

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Mit Schritt un Tritt, wie Militär,

Kam aangezuung de Bargerwähr.
Un frädig schluug nu jedes Hartz[5],
Vergass’n waar aller Kummer un Schmarz, —
Un glicklich funge[6] de Fraans nu aan:

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„Ach, wos mier vor schneidige Männer haan!“


     „Halt, riehrt Eich!“ ertönte äs Kommandowort
Un Jeder hie in d’n Ort
Waar nu geschpannt, wos sollte kumme,
Dänn m’r hatte unter d’r Hand vernumme,

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Daß d’r Hauptmann wollte reden

Un doderbei ermahne Jeden:
Trei zu bleim, un käme Zeiten schwäär,
Muthig zu fachten in d’r Bargerwähr.

     Doch ruhig blieb’s, — m’r huur[7] nischt saan[8],

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Un Jeder guckte d’n Hauptmann aan,

Weil’r ängstlich zum Himmel guckte
Un jedes Wort wieder verschluckte.


  1. Verschaamt = verschämt.
  2. saatense = sagten sie.
  3. Gelacher = Gelächter.
  4. warnse = waren sie.
  5. Hartz = Herz.
  6. funge = fingen.
  7. huur = hörte.
  8. saan = sagen.

Anmerkungen (Wikisource)