Seite:Erzählungen vom Oberharz in Oberharzer Mundart von Louis Kühnhold – Heft 8.pdf/10

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     Schtumm schtanden Manche lange Zeit

105
Un schwääften[1] in Gedanken wull a weit.

Verschieden sein die Gedanken of Bargesheh,
Mannich Hartz[2] schleet frädig, manniches vuller Weh;
Gans wehmietig mier a jetzt wuur
Bei dan Blick in Gottes schiener Natur.

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Ich fiehlte mich su äänsaam[3] un dachte draan,

An daar Zeit, wu ich noch Voter kunnte saan.

     Jedoch pletzlich nu mit än Mool
Aennerte es sich of Barrig un in Thool[4];
Ae Nawel[5] kam naß un kalt

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Un goob dann Morrig äne annere Geschtalt.

Un Jeder lof in Haus, woss’r kunnten winden,
Wumeeglich äne schiene Platz zu finden;
Mier natierlich kame nett zuletzt
Un hatt’n uns drim gans vorhin gesetzt.

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     Doch unhäämlich wuursch uns doch zu Sinn,

Weil die Kellner vor uns loffen haar un hin,
Un guckten jedes Mool uns aan
Als wännse wollten uns wos saan.
Mier wußten wull, wosse wollten

125
Un wann ihre Blicke golten[6];

Allään mier sozen schtille an Tisch
Un waarn su schtumm wiede Fisch.

     Doch schließlich kaams, wudervier uns gegraut:
Ae Kellner fruug uns ziemlich laut

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Un saate: „Meine Harrn, ich muß Sie schtäern[7], —

Wos mechten Sie hie gaarn[8] verzähr’n[9]?“


  1. schwääften = schweiften.
  2. Hartz = Herz.
  3. äänsaam = einsam.
  4. Thool = Thal.
  5. Nawel = Nebel.
  6. golten = galten.
  7. schtäern = stören.
  8. gaarn = gerne.
  9. verzähr’n = verzehren.

Anmerkungen (Wikisource)