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sehr, dazu gezwungen zu sein. Soweit die Landeskirche von der Lehre und Praxis der allgemeinen lutherischen Kirche abgewichen ist, zumal wenn sie hartnäckig in dieser Abweichung beharrt, soweit müßen wir nicht bloß mit der Landeskirche in Opposition treten, sondern leider auch unsere Zöglinge an den Schäden unsrer Landeskirche belehren. Wir würden ja der Synode in Missouri und dem Seminar in Fort-Wayne einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir ihnen Leute zuschickten, welche die zerfahrene, schwankende, indifferente und unionistische Anschauung von Kirche, die bei uns herrschend ist, für die rechte hielten. Um die Concordia sammelt sich die Gemeinschaft der allgemeinen lutherischen Kirche, nach ihr muß die ganze kirchliche Lehre und Praxis bestimmt werden; sie ist der Maßstab drüben, sie ist der Maßstab für uns; wie können wir hindern, daß derselbe auch von den Zöglingen an die diesseitigen Zustände angelegt wird?

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 Es ist ja wahr, daß man bei uns vergeblich nach einer kennbaren lutherischen Kirche sucht; daß es in der Landeskirche noch viele Lutheraner gibt, die eine lutherische Kirche nicht ernstlich wollen; denen es um Einhelligkeit in der reinen Lehre wenig zu thun ist; die noch weniger das kirchliche Leben von dieser Lehre wollen beherrschen laßen. Wollten wir das unsern Zöglingen als richtig und wahr vorstellen, so machten wir sie lahm und schnitten ihnen die Sehnen ab, die sie im Kampfe wider Union, Methodisten und Sectierer nothwendig brauchen[.] Es ist wahr, wir lehren ihnen, daß die lutherische Kirche um ihrer schriftgemäßen Bekenntnisse willen das sichtbare Zion, das rechte Jerusalem, die wahre Kirche Gottes auf Erden, und alle andern Confessionen, soweit sie von der lutherischen Lehre abweichen – für Secten zu achten seien; daß in der Concordia allein die rechte schriftmäßige Fortbildung der altchristlichen Kirchenlehre festgestellt ist; daß es Sünde wider die Kirche und alle anvertrauten Seelen ist, in einem bereits durchgekämpften und symbolisch fixierten Lehrpunkt in der lutherischen Kirche anders zu lehren. Darin geht freilich unsere Praxis weit ab von der

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Diverse: Fünf Festreden der Gesellschaft für innere Mission. Joh. Phil. Raw’sche Buchhandlung, Nürnberg 1850, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:F%C3%BCnf_Festreden_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_innere_Mission.pdf/31&oldid=- (Version vom 4.9.2016)