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seinen innern Anliegen zunächst gewiesen ist, zu seinem Beichtvater. Dieser aber will vielleicht nichts mit der Sache zu schaffen haben; er weist ihn ab. Nun, es wird ihm wehe thun, aber die Sache läßt er drum nicht liegen. Er wendet sich an die Gesellschaft, und es wird ihm Rath gegeben werden, was in seiner speciellen Lage etwa zu thun sein möchte. So gienge es im schlimmsten Falle – am Ende vielleicht immerhin gut. Wie aber, wenn der Beichtvater hört? – wenn er sich freut, einen solchen Anstoß von einem seiner Gemeindeglieder zu bekommen? – ja, nicht erst wartet, bis er ihn bekommt, sondern selbst gleich von vorne herein mit jenem Liebesgedanken an seine Gemeinde tritt? Sollte es eine Gemeinde geben, in der nicht zwei oder drei wären, die, im Glauben und Bekenntnisse mit ihm eins, auch in jenem Liebesgedanken sich mit ihm zusammenfinden würden? Nun, diese sammelt er um sich her und bildet aus ihnen – darf ich sagen eine Diakonie? Nein, ein Diakonat in kirchengeschichtlichem Sinne wäre es nicht, aber doch eine Diakonie, wie sie uns der heilige Apostel Paulus im Hause Stephana zeigt, wenn er 1 Cor. 16, 15 empfehlend von dessen Bewohnern sagt, daß sie „zum Dienste der Heiligen sich selbst verordnet“ hätten. Mit Beihilfe dieser, ich will sagen, freiwilligen Dienerschaar ermittelt nun der Beichtvater vor allem die in seinem Pfarrbezirke vorhandene leibliche und geistliche Noth, prüft und erwägt mit ihnen, in wie weit dieselbe nach den Grundsätzen der Gesellschaft in den Kreis ihrer Thätigkeit zu ziehen sein möchte, und vertheilt dann die Berathung und Abhilfe des ermittelten Nothstandes nach seinen verschiedenen Seiten hin dergestalt unter die vorhandenen Helfer und Mitarbeiter, daß er, der Pfarrer, selbst immer der leitende Mittelpunkt bleibt, von dem alle Thätigkeit ausgeht, und zu dem sie mit ihren Referaten und Resultaten zurückkehrt.

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 4. Diese Thätigkeit knüpft sich natürlich wiederum an gewisse feststehende, von der Gesellschaft gebilligte Normen und hat ihre verschiedenen Stufen, die sie nacheinander durchmacht. Sie

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Diverse: Fünf Festreden der Gesellschaft für innere Mission. Joh. Phil. Raw’sche Buchhandlung, Nürnberg 1850, Seite 52. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:F%C3%BCnf_Festreden_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_innere_Mission.pdf/53&oldid=- (Version vom 4.9.2016)