Seite:Ferdinand Wilhelm Weber - Kurzgefaßte Einleitung in die heiligen Schriften (11. Auflage).pdf/437

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Sendschreiben erscheinen, wonach in der Kirche die Zeit der ersten Liebe bereits vorüber und zu der Verfolgung von außen die Verführung im Innern getreten war, ferner die bereits ausgebildete Episkopalverfassung etc. machen es wahrscheinlich, daß die Apokalypse bis ans Ende des ap. Zeitalters herabzurücken sei. – Der Sieg über alle Feinde des Reiches Christi, die Verklärung der Gemeinde Christi durch Christi Wiederkunft ist das Thema unseres Buches.

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 3. Die Deutung der Offenbarung ist eine sehr verschiedene. 1. die Einen deuten sie auf die Zeit des Verfassers und verstehen sie von den Gerichten, die über das Judentum oder über das heidnische Rom kommen sollten, so daß sie also für uns keine weitere Bedeutung hätte, sondern nur in frommen Phantasien bestände, die ein gutmeinender jüdischer Christ der damaligen Zeit hatte. Aber dann würde das Buch allerdings das Recht verlieren, ein Buch für die christliche Gemeinde zu sein. (Die zeitgeschichtliche Auffassung.) 2. Die verbreitetste Ansicht von altersher in der Kirche ist die, daß der Gang, sei es der Weltgeschichte, sei es der Kirchengeschichte, darin vorausgesagt sei. (Die kirchengeschichtliche Auffassung.) Aber das führt zu lauter Willkürlichkeiten in dem Versuch, die einzelnen geschichtlichen Thatsachen in den einzelnen Weissagungen zu finden, und ist auch wider die Art der biblischen Weissagung, die im allgemeinen nicht einzelne Thatsachen der Geschichte vorhersagen will, sondern immer auf das Ende geht. Denn sonst würde ja auch historische Gelehrsamkeit dazu gehören, um alle die Vorhersagungen von den einzelnen römischen Kaisern und ihren Thaten, den Kriegen und Hungersnöten, den Sarazenen, Persern und Türken, den Goten und Hunnen, den Bettelmönchen und Jesuiten u. s. w. in dem Buche finden zu können, die darin angedeutet sein sollen. Aber das Buch ist ja nicht etwa bloß für die Gelehrten und die Geschichtskundigen, sondern für die Gemeinde geschrieben. Und welchen Gewinn hätten wir davon, hier einzelne Ereignisse dunkel angedeutet zu finden, welche die Geschichtsbücher viel deutlicher uns erzählen? Nein, die Offenbarung Johannis geht nicht auf die Ereignisse der Geschichte, sei es der Völker, sei es der Kirche, sondern sie geht auf das Ende. Mithin ist das Richtige 3. die endgeschichtliche Auffassung. Der letzte Gegensatz von Gemeinde und Welt und der Ausgang dieses Gegensatzes