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Nr. 21. Beiblatt zu den Fränkischen Blättern. 1848.


Humoristisch-satyrisches Zeitungslexikon.

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Maul, derjenige Theil des menschlichen Körpers, für welchen Kaffeeschwestern, Kannegießer und Weinreisende der ewigen Vorsehung nicht genug danken können. Das Maul muß streng vom Munde unterschieden werden; denn man kann ein böses Maul haben, wenn man auch keinen bösen Mund hat. Viele, die vor dem März 1848 das große Maul hatten, hängen jetzt das Maul, weil sie tüchtig darauf geschlagen worden sind. Das gefährlichste unter allen Mäulern ist das Lästermaul, weil es uns in die Mäuler der Leute bringt; aber am unschuldigsten ist das Leckermaul, welches die Poesie des Lebens auf der Zunge, im Magen und in einer guten Verdauung sucht.

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Narr, unterscheidet sich von andern Sterblichen dadurch, daß er keinen Hut, sondern eine Kappe trägt und sich außerordentlich stark vermehrt; denn ein Narr macht zehn Narren. Der Ausdruck: Jemanden zum Narren haben, ist nach dem März außer Gebrauch gekommen: man sagt jetzt dafür: Jemanden potsdamisiren! Du versprichst z. B. einem Freunde Wein und giebst ihm Essig, so hast du ihn potsdamisirt. Freilich wird er dann auch keinen Narren an dir fressen; aber dies kann dir, nachdem du ihn potsdamisirt, gleichgültig sein. – Von den Hofnarren pflegte ein witziger Kopf zu sagen: Jeder Fürst muß deren zwei haben, Einen, den er vexirt, und einen Andern, der ihn vexirt.

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Nase, eine gefährliche Nebenbuhlerin des preußischen Helmes; denn sie hat wie dieser eine Spitze. In staatlicher Hinsicht hält sie mit rührender Ausdauer am Zweikammersystem fest, obschon sie keinen Nutzen davon hat. Sie stellt Niemandem ein Bein, obgleich sie ein Bein hat. Daß sie zu den Bäumen gehört, weil sie eine Wurzel hat, ist unbegründet. Was es heißt: eine Nase bekommen, wissen am besten die Subaltern-Beamten, besonders, wenn sie die Sünden ihrer Obern tragen müssen. Den Ausdruck: mit langer Nase abziehn, lasse man sich von Louis Philipp oder vom Exminister Herrn Metternich in London erklären. Das Volk an der Nase herumführen, ist leider auch nach dem März nicht aus der Mode gekommen, wobei jedoch keineswegs an die hohe National-Versammlung zu Frankfurt zu denken ist. Der Unterschied zwischen der Nase und dem deutschen Volke besteht

Empfohlene Zitierweise:
Eduard Kauffer (Red.): Der Nürnberger Trichter. Friedrich Campe, Nürnberg 1848, Seite 81. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Fr%C3%A4nkische_Bl%C3%A4tter_nebst_dem_Beiblatt_Der_N%C3%BCrnberger_Trichter.djvu/181&oldid=- (Version vom 31.7.2018)