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Liste.png Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit

Da hob er die Hände. „So lassen Sie um Gottes willen Ihre Tante Griseldis aus dem Spiel!“ sagte er fast heftig. „Was hat diese würdige Dame zwischen Ihnen und mir zu schaffen?“

Erkältet, verletzt sah sie ihn an. „Ich verstehe Sie nicht,“ sagte sie kühl. Die warme Stimmung zwischen ihnen war verflogen.

Er verstand sich selbst nicht mehr. Halte, halte das Glück! rief es in ihm. Vergebens – es zerstob ihm unter den Fingern wie perlendes glänzendes Wasser. Mit einer steifen Verbeugung sagte er: „Verzeihung, gnädiges Fräulein, ich unterbrach Sie in Ihrer Lektüre.“

„Oh – tut nichts,“ sprach sie mit konventionellem Lächeln und sah in ihr Buch hinein. Aber um ihre Mundwinkel zuckte es wie bei einem kleinen Kinde, als wolle sie weinen.

Er setzte sich steif auf seinem Platz zurecht und starrte ins schäumende Wasser. Wirbelnd mit unheimlicher Geschwindigkeit tanzten sein zweiter und kleiner Finger ein Presto con fuoco auf der Geländerbrüstung.

So saßen sie beide in düsterm Schweigen. Das stoßweise Klappern des Schiffsrades schlug den Takt dazu ...

Claire wandte eine Seite ihres Büchleins um die andre um, sie las mechanisch; plötzlich aber mußte sie eine Stelle darin ge­fesselt haben, sie überlas sie noch einmal, und sacht fuhr ihre Hand in die Tasche ihres Mantels und brachte ein Tüchlein

Empfohlene Zitierweise:
Frances Külpe: Rote Tage : baltische Novellen aus der Revolutionszeit. S. Schottländers Schlesische Verlagsanstalt, Berlin 1910, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:FrancesKuelpeRoteTage.pdf/23&oldid=3311452 (Version vom 1.8.2018)