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einer Handlungsweise als gut und förderlich, welche dem andern frei läßt, ob er davon Gebrauch machen will. Diese Beratung geschieht durch die heilige Schrift, Akt. 20, 32; 2. Tim. 3, 16–17. Diese beleuchtet insbesondere einzelne schwierige Gebiete und Lebensfragen, die für jeden Menschen von besondrer Wichtigkeit sind.

 So ist für jeden Menschen, der in die dazu erforderliche äußere Lage gesetzt ist, eine wichtige Frage: Soll ich heiraten oder nicht? Bei den meisten ist diese Frage schon von vornherein entschieden, ohne daß sie eine Überlegung anstellen. Dem gegenüber steht 1. Kor. 7, v. 26–27; 35–38; 39–41, das auch erwogen sein will, und wenn es auch für die meisten nicht anwendbar erscheint, so gibt es doch eine Anzahl von Menschen, für die das Wort geschrieben ist, und grade von gereiften und geförderten Christen verlangt es Überlegung. Hier rät der Apostel Ehelosigkeit als das Bessere, v. 38 u. 40, ohne die Freiheit im mindesten zu beeinträchtigen, v. 35, und gibt auch seine Gründe an. Einmal: die damalige Not und vermehrte Sorge, auch größere Gefahr, dem Herrn untreu zu werden, v. 26. Das ist indes bloß ein temporärer Grund; er gibt aber zum andern auch einen allgemeinen an: der ehelose Stand ist weniger durch Verwicklung mit der Welt gehindert, für das zu sorgen, was dem HErrn angehört, für seine eigne Heiligung und – kann man wohl im Sinne des Apostels und der Geschichte hinzusetzen – für das, was der Förderung des Reiches Gottes dient (Vorbild Pauli, 1. Kor. 9, 5. 12). Bei diesem Rat ist die Gabe der Ehelosigkeit vorausgesetzt, 1. Kor. 7, 7. Darum hat sich jeder, der dem Reiche Gottes in besondrer Weise dienen will, zu prüfen, ob er nach seiner Natur die Kraft habe, unverehelicht zu bleiben, ohne in Sünden wider das 6. Gebot zu fallen, denn ein unreines Cölibat wäre etwas Verwerfliches. Es gibt viele leuchtende Vorbilder eines heiligen jungfräulichen Lebens von St. Paulo an; Christus selbst ist das vollendetste Vorbild der Jungfräulichkeit. Was St. Paulus lehrt, hat Christus geradeso gelehrt, Matth. 19, 12: „Es sind etliche Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Himmelreichs willen.“ Dies ist nichts anderes als die erwählte Jungfräulichkeit. „Wer es fassen kann, der fasse es.“ Daraus sieht man, daß der Rat nicht für die Masse ist, sondern für die Geförderten.

 Ein zweiter Rat dieser Art begegnet uns Matth. 19, 21.

 Dem reichen Jüngling, der sich seiner Ehrbarkeit und der Erfüllung aller Gebote rühmt, rät der HErr das eine, was ihm noch fehlt: