Seite:Friedrich Bauer - Christliche Ethik auf lutherischer Grundlage.pdf/284

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

solchen Werken Gnade verdiene. Diese leibliche Übung soll nicht allein etliche Tage, sondern stetig getrieben werden, cf. 33.“ Hier ist aber im Grunde nur die Pflicht der Mäßigkeit und Wachsamkeit gemeint, von besonderen Übungen ist keine Rede. (Kl. Katechism.)

 c. Auf gleicher Stufe mit dem Fasten steht das freiwillige Wachen zum Zweck der Arbeit, wie es St. Paulus geübt hat, um sich durch Arbeit den nötigen Unterhalt zu verdienen, damit das Evangelium besseren Eingang fände, 1. Kor. 9, 18; 2. Kor. 11, 28; 6, 5. In Verbindung mit Gebet und zu dem Zweck desselben erscheint es Ps. 134; Luk. 2, 37; 6, 12. Hanna. Der HErr. Auch des Schlafes Herr zu werden ist eine Macht, die der Mensch über seine Natur gewinnt. Eine Übung darin ist nützlich, aber sie ist nicht Askese, wenn sie nicht um Gottes willen geschieht. Manchen Menschen ist Wachen eine Sache des Berufs, wie bei den Diakonissen, und wiewohl dies Wachen kein freiwillig erwähltes ist, sondern Berufspflicht, so dienen doch Beispiele wie St. Pauli zur Stärkung und Ermutigung. Man kann sehen, was die schwache Kraft durch Gottes Beistand zu leisten im stande ist.

 Eine andere Art Wachen, die in keiner Weise frei übernommen, sondern erzwungen ist, ist das von Gott auferlegte Wachen in Krankheit, Not und Anfechtung, eigner und fremder Art, Ps. 130, 6; 77, – auch eine Übung, die ins Kapitel vom Kreuz gehört. Man kann aber auch aus dem obigen Beispiel für diesen Fall Kraft und Licht nehmen.

 d. Hier muß auch noch erwähnt werden die zeitweilige Enthaltung vom ehelichen Umgang zum Zwecke der Askese, 1. Kor. 7, 5.

 2. Die freiwillige Enthaltung vom selbstsüchtigen Besitz zeitlicher Güter durch stete Übung im barmherzigen Geben.

 Eine der größten Gefahren für die Seligkeit des Menschen ist der Besitz von Reichtum und die Anhänglichkeit daran, Matth. 19, 23. 24; Luk. 12, 15–21. Es hängt aber auch der wenig Begüterte oft krampfhaft an seiner Habe und trachtet nach Reichtum, 1. Tim. 6, 9. Diese beharrlich sich geltend machende Sinnesrichtung ist entsprechend zu bekämpfen. Darum ist nicht genug, daß man den Armen, die sich an uns wenden, hie und da etwas gibt, sondern es muß regelmäßig geschehen, und das nicht kärglich, sondern reichlich, nach Umständen und Verhältnissen, 1. Tim. 6, 18; Luk. 6, 36. 38. Man muß sich im Geben üben, nicht bloß zufällig, sondern beständig, methodisch geben, eine Ordnung daraus machen. Etwas derartiges ist