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Gläubigen bringen wird, Luk. 16, 22, 25. Der Christ weiß ja, daß es nach dem Tode nicht aus ist, sondern daß hinter demselben eine freudenreiche Ewigkeit und eine, ewige Seligkeit steht. „Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende. Nach Meeresbrausen und Windessausen leuchtet der Sonne erwünschtes Gesicht.“ „Wenn der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein, also wird auch nach der Pein, wer’s erwarten kann, erfreuet.“ In der Bibel ist dieser Gedanke auch vielfach zum Ausdruck gekommen, Röm. 8, 18; 2. Kor. 4, 17. 18. τὸ παραυτίκα ἐλαφρὸν τῆς θλίψεως. Es wird also das Leiden uns als etwas Zeitweiliges, als ein vorüberrauschender Augenblick im Vergleich zu der endlosen Seligkeit und Herrlichkeit in jenem Leben bezeichnet, und darin liegt das Tröstliche, das, was erleichtert, was die Trübsal selber als etwas Leichtes erscheinen läßt, 1. Petr. 5, 10 ὀλίγον παθόντας. 1. Petr. 1, 6. Es ist freilich oft erst der Tod, das Ende des Lebens, auch das Ende des Leidens und ist manches Kreuz ein lebenslängliches, was man erst sterbend zu Jesu Füßen niederlegen darf. Da möchte freilich es dem Menschen oft lange und bange werden bei einem Kreuz, das lebenslänglich getragen werden muß und für welches es auf dieser Erde keine Erlösung gibt. Aber der Apostel lehrt uns eben, uns auf den Standpunkt der Ewigkeit zu stellen. Von der Höhe der Ewigkeit betrachtet, schrumpft ja doch die Erde auf einen winzigen Punkt ein, schrumpft auch die längste Linie der Zeit zu einem Pünktlein zusammen. Was ist ein langes Leben gegen die endlose Ewigkeit. Von diesem Standpunkt aus betrachtet ist Kreuz und Leiden ein vorüberrauschender Augenblick, ein saurer Rauch, der die Augen etwas beißt, aber bald, bald überstanden ist: „Denn all mein Leid währt kurze Zeit, bald, bald, ist’s überstanden und Ruh ist dann vorhanden.“

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 Ein dritter göttlicher Trost im Leiden ist die Gewißheit, die nur der Christ haben kann, die er im Glauben hat und haben kann und im Glauben festhält trotz der Einsprache des eigenen Gefühls, des Widerspruchs der eigenen Empfindung, nämlich die Gewißheit, daß das Leiden nach der Kraft bemessen ist, daß Gott uns nicht zu viel auferlegt, noch uns über unser Vermögen versuchen läßt, 1. Kor. 10, 16. Wörtlich heißt es: Er schafft mit der Versuchung auch schon den Ausgang. Das würde Gott nicht thun, wenn er uns eine zu schwere Last auferlegte; da würden wir ja aus der Versuchung nicht mehr herauskommen können, aber so ist mit der Einführung in die Versuchung auch